Wissenschaft

Wie steht es um die Forschung bei Industrie 4.0?

Die Plattform Industrie 4.0 zeichnet in einem neuen Bericht den Status quo der Industrie 4.0-Forschung in Deutschland. Welche Impulse setzt die Forschung hier, wie kann es weitergehen und warum ist sie besonders für KMU so wichtig?

Wie steht es um die Industrie 4.0 und wie kann sie strategisch weiterentwickelt werden? Damit befasst sich der neue Impulsbericht des Forschungsbeirats der Plattform Industrie 4.0 in Deutschland. Unter dem Titel „Industrie 4.0-Forschung für die Gestaltung der Zukunft“ wurden Daten zu etlichen Forschungsprojekten der letzten zehn Jahre erhoben – und unter anderem folgende Thesen gezeichnet:

These 1: Die Forschung ist dynamisch und voller Potenziale

An Vielfalt mangelt es in der Industrie 4.0-Forschung nicht. Die untersuchten Themen betreffen sowohl Wertschöpfungsszenarien und Perspektiven technologischer Entwicklungen, als auch neue Methoden und Werkzeuge, sowie Arbeit und Gesellschaft. Große Fördersummen werden nachgefragt und bereitgestellt – besonders hinsichtlich technologischer Entwicklungen.

Die Weiterentwicklung von Wertschöpfungsarchitekturen und Arbeitsbedingungen wurde bisher vergleichsweise noch weniger erforscht – doch hier müssen viele Basistechnologien und Pilotprojekte erst noch reifen, bevor man sich ihnen umfassend widmen kann. Gerade deswegen liegt hier aber ein großes Potenzial. Aktuelle Aktivitäten zeigen bereits, dass dieser Bereich bald aufholen könnte.

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These 2: Wirtschaftsunternehmen sehen Anreiz

Keines der – oft finanzstark – unterstützenden Förderprogramme gleicht dem anderen. Sie haben unterschiedliche Förderstrukturen, Fördersätze und Ausrichtungen. Das ist hinsichtlich des breiten Themenspektrums auch notwendig. Manche Forschungsinitiativen finden im Rahmen von Forschungsprogrammen der Fördergeber statt, andere auf Eigeninitiative der Forschenden.

https://youtu.be/wpLHUOfLI5Q

Für Wirtschaftsunternehmen sind Innovationspotenziale ein guter Anreiz, sich an Forschungs- und Entwicklungskooperationen zwischen Wissenschaft und Wirtschaft zu beteiligen. Durch den Wissenstransfer zwischen den Kooperationspartnern und die Möglichkeiten, neue Kompetenzen zu erlangen, steigt auch die Wettbewerbsfähigkeit. Besonders KMU können durch Verbundprojekte von den Erkenntnissen der Spitzenforschung profitieren, ohne die Ressourcen allein aufbringen zu müssen. Kleine und mittlere Unternehmen sind in den Forschungsunternehmungen daher auch zahlreich vertreten.

These 3: Industrie 4.0 wird ernstgenommen

Die Forschungsvielfalt zu Industrie 4.0 zeigt, wie stark das Thema mittlerweile in Unternehmen, der Wissenschaft und auch der Förderpolitik angekommen ist – in Deutschland wie im Rest der Welt. Öffentliche und private Universitäten sind hier in der Forschung ebenso aktiv wie außeruniversitäre Einrichtungen – etwa die Fraunhofer-Gesellschaft oder die Max-Planck-Gesellschaft – und Fachhochschulen. Auf Unternehmensseite wiederum sind alle Unternehmensgrößen vertreten.

Dass hier Akzeptanz und Interesse hoch sind, ist auch wichtig, denn während die grundlegenden Prinzipien von Industrie 4.0 bekannt sind, fehlt es oft noch an der erfolgreichen Implementierung – sowohl technisch als auch ökonomisch. Die Forschung muss also weitergehen, um „innovative Wertschöpfungsketten Wirklichkeit werden zu lassen und das volle Zielbild von Industrie 4.0 zu erreichen“, so Harald Schöning, Sprecher der Industrie vom Forschungsbeirat der Plattform Industrie 4.0.

Gerade für Deutschland ist es essenziell, dass der Wirtschaftsmotor Mittelstand und KMU den digitalen Wandel erfolgreich meistert – denn sie machen über 99 Prozent der Unternehmen aus. Gleichzeitig gibt es hier oft spezifische technologische, ökonomische und institutionelle Hürden, die erst überwunden werden müssen. Die Bedeutung der Forschungsförderung ist also auch durchaus eine erfolgskritische.