Digitales Wasser

Vom 19. ins 21. Jahrhundert

Warum sich die Wasserwirtschaft ändert - und warum sie sich auch ändern muss.

Von
Prozesstechnik Wasser Wasser- und Abwasserwirtschaft

Die Digitalisierung des Wassers steht auf der Umweltmesse IFAT 2018 im MIttelpunkt. Zu sehen sind Lösungen über den gesamten Lebenszyklus von Anlagen.

Bis ins 19. Jahrhundert reicht die Geschichte der österreichischen Wasserwirtschaft zurück – und genau so alt sind sogar noch manche Teile der Versorgungsnetze. 247 Mio. Euro werden in Österreich jährlich alleine in die Trinkwasserversorgungsanlagen investiert, rechnet der Verband der Wasserversorger ÖVGW vor. Nimmt man auch noch die Kosten für den laufenden Betrieb dazu, kommt man auf mehr als eine Milliarde an Wertschöpfung, die das ganz gewöhnliche Leitungswasser zum BIP Österreichs beiträgt. Dabei reden wir von einem Produkt, dessen Preis den wenigsten Menschen bekannt ist – selten wird man auf so viel Ahnungslosigkeit stoßen wie bei der simplen Frage, wie viel denn ein Liter Wasser kostet.

Denn wir haben viel zu viel davon: Österreich ist ein Paradies, was Menge und Qualität des verfügbaren Wassers anbelangt. Von den knapp 80 Mrd m2 Wasser, die in der Alpenrepublik jährlich zur Verfügung stehen, werden weniger als drei Prozent von Industrie, Landwirtschaft oder den Haushalten genutzt. Der Rest rinnt entweder in Richtung Nordsee oder ins Schwarzes Meer, ohne dass es jemandem abgehen würde. Doch damit dieser paradiesische Zustand erhalten bleibt, muss weiterhin kräftig investiert werden: Denn der Zahn der Zeit nagt an den bestehenden Anlagen.

Zweimal rund um den Äquator

Nehmen wir bloß die Rohrleitungen her, von denen es in Österreich knapp 80.000 Kilometer für Wasser und Abwasser gibt. Das ist eine Strecke, die zweimal um den Äquator führt: Haben diese ein Alter erreicht, das weniger als 40 Prozent der erwarteten Lebensdauer beträgt, rechnen die Wasserwerke mit fünf Rohrbrüchen pro Jahr auf 100 km. Bei Leitungen, die 60 Prozent der Nutzungsdauer erreicht haben, steigt die Schadensrate auf das doppelte an, rechnet der ÖVGW vor. Österreichs Wasserver- und entsorgungsanlagen stammen zum Teil noch vom Ende des 19. Jahrhunderts, als die Grundlagen für unser heutiges Netz gelegt wurden. Mindestens ein Drittel der heimischen Wasserleitungen sind über als 40 Jahre alt. Dass Sanierungsnotwendigkeit und Investitionsbedarf in die Infrastruktur laufend steigen, liegt auf der Hand. Doch reicht es noch, einfach nur Rohre auszutauschen?

Planung, Bau, Betrieb, Instandhaltung

Nein, sagen die Aussteller auf der Umweltmesse IFAT. In München versammelt sich alle zwei Jahre die Wasser- und Abwasserwirtschaft Europas, die nächste Ausgabe folgt von 14.-18. Mai. Es geht um die Digitalisierung der Branche, die in Zukunft sowohl Versorgungssicherheit als auch Effizienz der Wasserwirtschaft steigern soll. „Wir stehen am Beginn der Entwicklung“, sagt Gottfried Blumauer, Leiter der Sparte Wasser/Abwasser bei Siemens Österreich. Es geht um Lösungen, die den gesamten Lebenszyklus von Anlagen abbilden: Von der Planung über Bau und Betrieb bis zur Instandhaltung. Alleine durch die Nutzung der App SIWA Optim, mit der Pumpen- und Ventilfahrpläne optimiert werden können, kann der Energieverbrauch und damit die Betriebskosten um bis zu 15 Prozent gesenkt werden, rechnet Siemens vor. Und das ist nur ein kleiner Teil der Lösungen für industrielle Kommunikation, Automatisierung oder Prozessinstrumentierung, die heute schon zur Verfügung stehen. Das Wasser wird digital – und zwar eher früher als später.