Endress+Hauser

"Ich glaube nicht an autonome Wertschöpfungsketten"

2017 war ein gutes Jahr für Endress+Hauser: Umsatz und Gewinn konnten gesteigert werden. CEO Matthias Altendorf sieht die gute Entwicklung über verschiedene Branchen breit abgestützt - und hat eine klare Meinung zur Zukunft der Prozessautomatisierung.

Endress+Hauser Prozessautomatisierung Märkte Bilanz

Endress+Hauser profitierte 2017 von einer erstarkten Branchenkonjunktur.

Endress+Hauser hat 2017 Umsatz und Gewinn gesteigert. Der Nettoumsatz stieg 2017 um 4,8 Prozent auf 2,2 Milliarden Euro. Die Aufwertung des Euro gegenüber den meisten Währungen verzerrt jedoch das Bild. „In lokalen Währungen sind wir um 6,5 Prozent gewachsen, im Instrumentierungsgeschäft gar um 8,0 Prozent“, erläuterte CEO Matthias Altendorf an der Bilanzmedienkonferenz der Firmengruppe in Basel. Das Betriebsergebnis (EBIT) wurde um 15,0 Prozent auf 251 Millionen Euro verbessert. Trotz hoher Kosten für die Fremdwährungs-Absicherung stieg das Ergebnis vor Steuern (EBT) dank Sondereffekten aus dem Verkauf einer Beteiligung um knapp 25 Prozent auf 275 Millionen Euro.

Stabilisierter Ölpreis

Die Firmengruppe profitierte von einer postiven Branchenkonjunktur: Der starke private Konsum, ein sich stabilisierender Ölpreis sowie tiefe Zinsen schlugen sich 2017 in höheren Investitionen in der verfahrenstechnischen Industrie nieder. „Die Unternehmen müssen ihre Kapazitäten erweitern, und sie möchten wettbewerbsfähig, sicher und umweltfreundlich produzieren“, sagte Matthias Altendorf. Endress+Hauser unterstützt sie hierbei als einer der international führenden Anbieter von Prozess- und Labormesstechnik, Automatisierungslösungen und Dienstleistungen. Das Unternehmen ist in 120 Ländern der Welt vertreten, in 50 davon mit eigenen Niederlassungen. „Wir haben in praktisch allen Regionen und Branchen gute Geschäfte gemacht“, berichtete Matthias Altendorf. China und die USA – zwei der drei größten Märkte – wuchsen dynamisch; in Deutschland, der Nummer eins, hinkten die Umsätze zum Jahresende dem bereits anziehenden Auftragseingang noch hinterher. Die gute Entwicklung war über die verschiedenen Branchen breit abgestützt. Auch die Öl- und Gas-Industrie trug wieder zum Wachstum bei. Der Energie- und Kraftwerkssektor, im fossilen Segment rückläufig, entwickelte sich vor allem im Bereich der regenerativen Energien weiter.

Analyse ausgebaut

Ein besonderer Schwerpunkt lag bei Endress-Hauser 2017 im Bereich Analyse in Labor und Prozess, wo zweistellige Zuwachsraten verzeichnet wurden. Drei Zukäufe stärkten das Angebot der Gruppe in diesem Feld:. Die Systeme von SensAction messen Konzentrationen in Flüssigkeiten, die Sensoren von IMKO Micromodultechnik detektieren die Feuchte in Feststoffen. Die Technologie von Blue Ocean Nova erlaubt es, spektroskopische Verfahren direkt in den Produktionsprozess zu integrieren. Im Laborbereich fokussierte sich Analytik Jena noch stärker auf das Kerngeschäft mit Instrumenten und bioanalytischen Systemen. Endress+Hauser will die Prozessanalyse weiter ausbauen und Verfahren aus dem Labor in den Prozess bringen. Weitere Zukäufe, die dem Unternehmen gezielt technologisches Know-how bringen sollen, sind nicht ausgeschlossen.

Hände werden immer gebraucht werden

Für das laufende Jahr sind die Aussichten ebenfalls gut. "Derzeit liegen wir im Auftragseingang über Budget", so Altendorf. Die Gruppe möchte den Umsatz im mittleren einstelligen Prozentbereich weiter steigern und rechnet mit gleichbleibender Profitabilität. Geplant sind für heuer Investitionen von 223 Millionen Euro: Seit Anfang 2017 wurden weltweit 11 neue Betriebsgebäude eröffnet, in den kommenden Monaten sind 14 weitere Neubauten geplant. Bis zu 500 neue Stellen sollen insgesamt geschaffen werden. Der Mitarbeiterstand wuchs 2017 um knapp 300 Personen auf über 13.000 Personen weltweit. Technologisch sieht CEO Matthias Altendorf mehrere Treiber, etwa die berührungslose Messtechnik und die Digitalisierung: "Unsere Kunden haben erkannt, dass das industrielle Internet der Dinge die Wertschöpfungsketten verändert." Die Konzepte für Industrie 4.0 nehmen auch in der Prozessindustrie konkrete Gestalt an. "Die IP-Adresse wird ins Feldgerät übersiedeln", ist sich Altendorf sicher. Doch dass daraus irgendwann autonome Wertschöpfungsketten werden könnten, die ohne menschliche Beteiligung funktionieren, wird seiner Meinung nach nicht passieren: "Ich glaube nicht an autonome Wertschöpfungsketten. Hände werden in den Prozessen immer gebraucht werden."