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Fußball, Fortnite - oder industrielle Kommunikation

Warum die produzierende Wirtschaft reservierte Frequenzbereiche für industrielle Anwendungen braucht, die Mobilfunker aber wohl mehr am Endverbraucher interessiert sind.

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Ralph Hasenhüttl ist ein kluger Mann. Das hat man ihm schon als Spieler angemerkt: Er hat aus eher überschaubaren fußballerischen Fähigkeiten das Maximum herausgeholt und eine beachtliche Karriere hingelegt. Weil er seinen Kopf nicht nur bei Flankenbällen, sondern auch zum Denken benutzt hat. Deshalb ist er auch als Trainer erfolgreich, zuletzt bei Dosenball Leipzig und derzeit in der englischen Premiere League (zumindest hatte er den Job in Southampton noch, als dieser Artikel hochgeladen wurde). Ende März ließ er mit Ausführungen zur Spielsucht von Profisportlern aufhorchen: Hochbezahlte Spitzenfußballer, die vor wichtigen Spielen die halbe Nacht an der Konsole hängen. Seine Lösung ist einfach: Er kaserniert die Mannschaft am Tag vor Matches in einem Hotel – und lässt das Wlan blockieren.

Wenn das flächendeckende 5G-Netz kommt, wird das nicht mehr reichen. Denn dann ist angesichts der verfügbaren Bandbreite kein Wlan mehr nötig. Fortnite und andere Games werden direkt übers Netz gespielt werden können. 5G verspricht aber nicht nur eine Bandbreite, die datenintensive Privatvergnügen in großem Stil ermöglicht. Es soll auch eine extrem hohe Netzstabilität gewährleisten, die für konstante IoT-Anwendungen unerlässlich ist, sowie eine Echtzeitkommunikationsfähigkeit, die kabelgebundenem Datenaustausch um nichts mehr nachsteht und alle Anforderungen an die Steuerung von Industrieanlagen erfüllt. Das Beste an 5G soll aber werden, dass dank inhärenter Netzwerk-Trennung alle Kernleistungen trotz ihrer unterschiedlichen Anforderungen parallel angeboten werden können. Technisch wird sich die Frage also nicht stellen, ob man privaten Videokonsum oder M2M-Kommunikation Vorrang einräumt. Organisatorisch aber schon.

In ganz Europa sind erste Frequenzen schon vergeben oder werden demnächst ausgeschrieben. Die Frage wird sein, worauf Mobilfunkanbieter, die eine Menge Geld für die Lizenzen zahlen, bei der Nutzung und Vermarktung setzen. Werden es industrielle Anwendungen sein, oder erwartet man von kommerziellen B2C-Angeboten höhere Gewinnmargen? Vereinfacht gesagt: Langweilige M2M-Kommunikation mit berechenbaren Datenvolumina, die auch übers Ethernet laufen könnte – oder der Wachstumsmarkt Spielsucht? Deutschland hat vorgesorgt: Da sind schon in den 5G-Ausschreibungen einzelne Frequenzbereiche fix für industrielle Anwendungen reserviert. Diese werden auch nicht direkt versteigert, sondern Antragstellern zugeteilt, die ihren Bedarf an einem lokalen Netz für industrielle Kommunikation ausreichend begründen können. Das stellt von Beginn weg sicher, dass es Infrastruktur für kommende Industrie 4.0-Anwendungen und insbesondere für datenintensive Automatisierungsprojekte geben wird.

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Ich glaube nicht, dass Ralph Hasenhüttl eine Ahnung davon hat, wie das im Industrie-Vorzeigeland Deutschland gehandhabt wird. Wie er seinen Spielern durchzockte Playstation-Nächte abgewöhnt, wenn sie dank 5G dann kein Wlan mehr benötigen: Dazu muss er sich dann etwas überlegen. Zeit hat er bis 2025, dann soll 5G flächendeckend kommen – hoffentlich in ganz Europa mit reservierten Industriefrequenzen.