Der Autor ist Leiter Marketing und Solution bei Endress+Hauser Österreich

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Feldbusanzeiger für mehr Sicherheit in "meiner" Anlage

Feldgeräte mit Busanschluss sind trotz ihrer unstrittigen technischen Überlegenheit nach wie vor in der Minderheit. Der Einsatz zusätzlicher Vor-Ort-Anzeiger kann Nutzungstiefe und Akzeptanz erhöhen.

Moderne Messgeräte mit Feldbusanschluss helfen den Verkabelungsaufwand in petrochemischen Anlagen zu reduzieren. Doch benötigt das Anlagenpersonal die Mess- und Diagnosedaten am Ort des Geschehens, ist die Ferndiagnose schwierig. Kritische, sicherheitsrelevante Situationen können entstehen, wenn vor Ort zB kleine Leckagen, Gerüche, ungewöhnliche Geräusche der Maschinen oder plötzliche Vibrationen von Anlagenteilen auftreten. Routiniertes Bedienpersonal, welches durch die Anlage patrouilliert, ist in der Lage, solche Ereignisse leicht zu erkennen und geeignete Maßnahmen zu ergreifen.

Werden etwa Lärm und Schwingung in Relation mit relevanten Messwerten aus der Anlage gesetzt, kann sofort beurteilt werden: „Hier stimmt etwas nicht!“ Nachdem viele Messgeräte an schwer zugänglichen Stellen montiert sind, kommen bevorzugt dezentralisierte Feldbusanzeiger zum Einsatz. Sie schließen die kritische Informationslücke vor Ort und bilden eine zeitgemäße Brücke zwischen Mensch und Technologie.

Messgeräte mit integrierter Anzeige erweisen sich in der Praxis häufig als entbehrlich. Denn kaum ein Wert ist es tatsächlich wert, sich unter schwerem körperlichen Einsatz der unnötigen Gefahr auszusetzen, den Kopf einer Destillationskolonne in 60 m Höhe zu erklimmen. Zwar ist es bei einigen Messprinzipien grundsätzlich möglich, die Sensorik und die Anzeige in zwei separaten Gehäusen zu betreiben. Jedoch unterliegt die Weiterleitung der Sensor-Rohdaten Einschränkungen wie z.B. der Limitierung der maximalen Leitungslänge. Der Einbau eines Anzeigers in die Stromschleife des Messgerätes hingegen ist in der konventionellen Technik (4…20 mA) möglich.

Bei modernen Anlagen, die mittels Profibus oder Foundation Fieldbus betrieben werden, wird häufig bereits bei der Auslegung die Informationslücke zwischen Feldebene und Leitstand übersehen. Dadurch mangelt es dem Betriebspersonal, welches sich in der Anlage und nicht im Leitstand aufhält, oft an Möglichkeiten, sich zeitnah und unabhängig über wichtige und sicherheitsrelevante Messwerte „ihrer“ Anlage zu informieren. Diese Intransparenz senkt die grundlegende Akzeptanz für die eigentlich überlegene Feldbus-Technik und verringert die Identifikation mit der „eigenen“ Anlage.

Die Vorteile von Feldbussystemen sind seit Jahrzehnten hinlänglich bekannt. Dennoch sind Feldgeräte mit Feldbusanschluss mit ihrer unstrittigen technischen Überlegenheit nach wie vor in der Minderheit. Ein möglicher Grund dafür ist der Widerstand des Betriebspersonals, welches mangels Vor-Ort-Anzeiger keine Möglichkeit hatte, die Funktion kritischer Messgeräte zu überwachen. Daher ist es nur folgerichtig, dass durch den Einsatz zusätzlicher Vor-Ort-Anzeiger auch die Nutzungstiefe und Akzeptanz von Feldbussystemen beim Bedienungspersonal erhöht werden kann.