Digitaler Zwilling für jedes KMU

Das EU-Forschungsprojekt Change2Twin zielt darauf ab, die Technologie zur Erstellung eines digitalen Zwillings für alle mittelständischen Unternehmen der Fertigungsindustrie in Europa zugänglich zu machen. Ein erster Open Call ist nun offen für Einreichungen von Unternehmen, die ihr Digitalisierungspotenzial von lokalen Digital Innovation Hubs bewerten lassen möchten.

Change2Twin wird im Rahmen des Programms „Horizon 2020“ finanziert. Ziel des Projekts ist es, Fertigungsunternehmen in ihrem Digitalisierungsprozess zu unterstützen, indem es ihnen Hilfe auf dem Weg zum ersten digitalen Zwilling bietet. Ein digitaler Zwilling ermöglicht es Fertigungsunternehmen, digitale Kopien physischer Produkte, Prozesse oder ganzer Anlagen zu erstellen. Dies bietet ein enormes Potenzial zur Kostenersparnis und zur Steigerung der globalen Wettbewerbsfähigkeit. 

Welche Unternehmen haben das Potential für einen Zwilling?

Das Projektkonsortium, in dem auch das Wiener Hightech-Unternehmen TTTech vertreten ist, hat seinen ersten Open Call gestartet, der bis zu 25 ausgewählte europäische Unternehmen auf ihrem Weg zum digitalen Zwilling beurteilen und anleiten wird. Reges Interesse besteht jedenfalls bereits: „Als das Projekt im Dezember 2020 auf dem österreichischen Summit Industrie 4.0 vorgestellt wurde, fand es sofort ein großes interessiertes Publikum“, so Marcela Alzin, Communication and Exploitation Manager für Change2Twin bei TTTech. „Wir glauben, dass dieses Interesse auf europäischer Ebene noch zunehmen wird. Der digitale Zwilling ist derzeit einer der wichtigsten Trends im Bereich Industrial Tech.“ Im Rahmen des im Januar 2021 gestarteten Open Calls wird den auserwählten Unternehmen ein “Assessment Voucher“ im Wert von bis zu 10.000 Euro zur Verfügung gestellt. Dieser kann bei einem von der Europäischen Kommission zertifizierten Digital Innovation Hub (DIH) gegen eine gründliche Evaluierung und drei Umsetzungskonzepte eingelöst werden. Der Open Call ist noch bis zum 29. März 2021 geöffnet und richtet sich speziell an KMUs und Midcaps aus der EU und assoziierten Ländern. Ein zweiter Open Call ist für Juni 2021 geplant. Dieser wird dann sogenannte „Deployment Voucher“ im Wert von bis zu 90.000 Euro bereitstellen, um die erstellten Konzepte in fertige digitale Zwillinge zu übersetzen.

Game Changer für Fertigungsunternehmen

Was genau ist ein digitaler Zwilling? „Einfach ausgedrückt ist ein digitaler Zwilling ein digitales Modell eines physischen Objekts – wie eines Produkts, einer Maschine oder sogar einer kompletten Produktionsanlage,“ erklärt Dr. Francesca Flamigni, Technical Project Manager für Change2Twin bei TTTech. „Die Kombination dieser digitalen Nachbildung mit Echtzeitdaten von einer Edge/IoT-Plattform macht den digitalen Zwilling zu einer sehr leistungsstarken Technologie, um vorausschauende Wartung zu ermöglichen, Ausfallzeiten zu vermeiden, innovative Produkte zu entwickeln oder die Kundenzufriedenheit zu verbessern.“

White Paper zum Thema

TTTech Industrial stellt dem Projekt seine offene Edge Computing Plattform Nerve Blue zur Verfügung. Sie dient der Erfassung von Echtzeitdaten von der Maschine oder Produktionslinie und wird in mehreren Pilotprojekten implementiert. So soll der Einsatz von Edge Computing für die Implementierung eines digitalen Zwillings demonstriert werden.

Das Besondere an einem digitalen Zwilling ist, dass er als Grundlage für effizientere Geschäftsentscheidungen dienen kann. Wichtige Entscheidungen auf der Grundlage digitaler Daten zu treffen, kann Kosten auf allen Fertigungsstufen sparen, insbesondere für KMU und Midcaps. So können Wartungs- oder Austauscharbeiten nach Bedarf - und nicht nach einem fixen Zeitplan - durchgeführt werden. Der gesamte Produktionsprozess kann digital eingerichtet werden, bevor tatsächlich irgendetwas produziert wird.

Gemeinsam dran an hohen Zielen

Ziel des EU-finanzierten Change2Twin-Projekts ist es, möglichst vielen europäischen Unternehmen das dafür erforderliche technologische Know-how und die nötigen Ressourcen zur Verfügung zu stellen und damit die industrielle Digitalisierung auf dem gesamten Kontinent zu beschleunigen. Neben TTTech umfasst das Projektkonsortium Forschungs- und Technologieorganisationen wie SINTEF, TNO und die Universität Bologna, Technologieanbieter wie Jotne EPM Technology AS, CloudBroker GmbH und BOC GmbH sowie Business Accelerators und -inkubatoren wie Funding Box und Images & Reseaux.