Technologie-Ausblick

Bremst "schlechte" Automatisierung die Wirtschaftsentwicklung?

Mit einfachen Technologien werde immer öfter auf Verdrängung menschlicher Arbeitskraft gesetzt, befürchtet eine Studie des IZA. Nötig wäre es stattdessen, auf echte Innovation zur Produktivitätssteigerung zu setzen.

Setzen wir auf die „richtige“ Technologien, die Produktivität steigern und Wohlstand mehren - oder setzen wir auf "billige" Automatisierung, die lediglich menschliche Arbeitskraft verdrängt und zu einem Produktivitätsverlust der Volkswirtschaften führt? Das ist die Frage, der sich Daron Acemoglu und Pascual Restrepo in einem aktuellen Forschungspapier stellen. Ihre These zielt vor allem auf den Einsatz künstlicher Intelligenz: Bei allem Hype um die Chancen und Risiken von KI warnen die beiden führenden Ökonomen vor einer Sackgasse, die ihrer Ansicht nach droht.

Technologiefolgen für die Beschäftigung

Die klassischen ökonomischen Modelle gehen davon aus, dass technologischer Fortschritt eine höhere Produktivität pro Arbeitskraft ermöglicht, was zu wachsender Arbeitsnachfrage und somit zu steigenden Löhnen und Beschäftigung führt.

Laut Acemoglu und Restrepo sieht die Sache in der Realität derzeit jedoch etwas anders aus: Viele neue Technologien zur Automatisierung zielen nicht explizit auf Produktivitätssteigerungen ab, sondern dienen primär dazu, menschliche Arbeitskraft in leicht automatisierbaren Bereichen durch günstigere Maschinen zu ersetzen. Folglich sinke der Mehrwert der Arbeit, da das Lohn- und Beschäftigungswachstum nicht mit dem Produktivitätswachstum Schritt halten kann.

White Paper zum Thema

Insofern verschlechtert sich der relative Stellenwert des Faktors Arbeit zunehmend, wenn immer mehr „mittelprächtige“ Technologien auf den Markt geworfen werden. Darunter verstehen die Autoren Innovationen in der Automatisierung, die gerade gut genug sind, dass sich deren Einsatz lohnt, aber kaum produktiver als die ersetzten Arbeitskräfte. Menschliche Arbeit wird also verdrängt, ohne dass neue Arbeitsnachfrage an anderer Stelle entsteht.

Acemoglu und Restrepo verdeutlichen diesen Zusammenhang am Beispiel der USA: Dort lässt sich das gebremste Beschäftigungswachstum der letzten drei Jahrzehnte damit erklären, dass menschliche Arbeit vor allem in der industriellen Fertigung zunehmend verdrängt wurde, während sich das Produktivitätswachstum verlangsamte und in geringerem Maße neue Tätigkeitsfelder entstanden.

"Gute" und "schlechte" KI: Gezielte Förderung von Innovation nötig

Die meisten Ökonomen setzen nach wie vor viel Vertrauen in die Effizienz von Marktmechanismen bei der Verteilung von Angebot und Nachfrage von Arbeit, Kapital und Ressourcen. Laut Acemoglu und Restrepo ist jedoch weitgehend unumstritten, dass der Markt eher ungeeignet ist, wenn es um die Förderung von Innovationen geht. Ein Grund dafür sind "Externalitäten": Von Innovationen profitieren nicht nur deren Urheber, sondern auch andere Marktteilnehmer.

Außerdem ist dem Markt egal, ob technologischer Fortschritt die Menschen glücklicher macht, Ungleichheit abbaut oder anderen gesellschaftlichen Nutzen stiftet. Erschwerend kommt hinzu, dass die steuerliche Begünstigung von Kapital und Investitionen gegenüber dem Faktor Arbeit in den USA und anderen westlichen Ländern das Ersetzen von Menschen durch Maschinen vergleichsweise profitabel macht.

Zwar finden Acemoglu und Restrepo keinen eindeutigen Hinweis darauf, dass „schlechte“ Formen von Künstlicher Intelligenz bereits auf dem Vormarsch wären. Allerdings sehen sie den Markt für Innovationen auch nicht in der Lage, eine effiziente Balance zwischen den verschiedenen Ausprägungen von KI auf Dauer zu gewährleisten. Politik und Unternehmen stünden daher in der Verantwortung, aktiv Innovationen zu fördern, die neue Tätigkeitsfelder eröffnen und somit zusätzliche Arbeitsnachfrage schaffen, statt menschliche Arbeit nur durch Maschinen zu ersetzen.