Cover und EinstiegsbildFesto blickt in die Zukunft

In der Automatisierungswelt bleibt kein Stein auf dem anderen. Die Digitalisierung erobert jede Ecke der Produktion – Industrie 4.0 steht im Fokus. „Evolution oder Revolution?“, heißt nun oft die zentrale Frage, von der viele Unternehmen weitere Schritte und vielleicht sogar ihre zukunftsorientierte Ausrichtung ableiten. Der Automatisierungsspezialist Festo hat sich für eine hybride Strategie entschieden und setzt damit auf die Wurzeln des erfolgreichen Familienunternehmens gleichermaßen wie auf visionäre Konzepte als forschungsfreudiger Innovationstreiber.

Die Digitalisierung öffnet interaktive Begegnungsräume zwischen Kunden und Herstellern. Das ist unerlässlich, denn immer mehr Konsumenten wollen Waren individuell gestalten und lassen damit ganz neue Produktwelten entstehen, die mit neuen Prozessen und Abläufen einhergehen. Die unglaubliche Geschwindigkeit der Softwareentwicklung treibt die Hardwareentwicklung im Maschinen- und Anlagenbau an. Parallel dazu werden weiterhin günstig produzierte und schnell verfügbare Massenprodukte zur Versorgung der rasch wachsenden Weltbevölkerung benötigt. Unternehmen der Automatisierungsbranche müssen sich darauf einstellen, beide Bedürfnisse bedienen zu können. Eine große Herausforderung liegt daher in der Beherrschung der Komplexität bei gleichzeitiger Temposteigerung.

Data ProcessingDigital erweiterte Produkte beschleunigen Prozesse

Dr. Ansgar Kriwet, Vorstand Sales der Festo AG & Co KG: „Wir haben sehr sorgfältig analysiert und geprüft, wie wir uns als führender Anbieter von Automatisierungslösungen für Fabrik- und Prozessautomatisierung aufstellen. Einerseits müssen wir unsere bestehenden Strukturen, Erzeugnisse und Prozesse weiterentwickeln, andererseits brauchen wir aber auch ganz neue Technologien, Produkte und Lösungen.“

Die Versorgung der stetig ansteigenden Weltbevölkerung mit den benötigten Waren und Gütern kann nur über eine hochgradig automatisierte Produktionswelt gewährleistet werden. Die Bedürfnisse der Konsumenten in den globalen Märkten differieren je nach Entwicklungsstand sehr stark. Die Märkte erfordern eine immer höhere Geschwindigkeit.

OstermannDer Konsument will designen und konfigurieren

Neben der Massengüterproduktion hat sich ein Trend zu immer individueller anpassbaren Produkten entwickelt, der hohe Ansprüche an die Flexibilität einer Produktionsumgebung stellt. Dipl.-Ing. Rainer Ostermann, Country Manager Festo Österreich: „Der Endkonsument will selber designen und konfigurieren. Das fängt beim Auto an, geht über Wearables, wie etwa Armbanduhren oder Brillen, bis hin zur personalisierten Abfüllung von Medikamenten oder selbst gestalteten Nudeln. Durch die Digitalisierung wird das möglich – wir bieten als Partner des Maschinenbaus die passenden Fertigungslösungen dafür“.

Das Familienunternehmen Festo treibt den eigenen Transformationsprozess mit über 18.000 Mitarbeitern weltweit und mehr als 33.000 Produkten im Katalog für seine rund 300.000 Kunden in zwei Stoßrichtungen voran: Die Evolution der Standardprodukte und in Richtung revolutionärer Lösungen für die Zukunft.

KriwetEvolution der Standardprodukte

Nur gemeinsam mit den Kunden führt der Weg zum Erfolg. Das Kernprogramm für die Serienproduktion hoher Stückzahlen bleibt daher wichtig. Deshalb fokussiert Festo seine Innovationskraft einerseits auf die Entwicklung neuer Produkte für die beschleunigte und vereinfachte Herstellung von Massengütern. Andererseits treibt Festo die digitale Durchdringung im Unternehmen voran, um die Vorteile von Industrie 4.0 sinnvoll zu erschließen.

Evolution bedeutet für Festo auch, durch Investitionen in die Infrastruktur die nachhaltige Wertschöpfung zu sichern. Das Unternehmen hat in der Technologiefabrik in Scharnhausen nahe Stuttgart eine der modernsten Produktionslinien der Welt eingerichtet. Durch ihren modularen Aufbau ist sie optimal sowohl auf die vollautomatisierte Stückzahlenproduktion als auch auf die hochflexible Kleinserienproduktion vorbereitet. In den eigenen Werken produziert Festo seine eigenen Produkte mit Festo Produkten. Nicht zuletzt dadurch wissen die Automationsspezialisten genau, wie sich die Erzeugnisse im täglichen Einsatz verhalten.

Plug and ProduceMensch und Technik als Team

Auch in der vor kurzem eröffneten Technologiefabrik steht nach wie vor der Mensch im Mittelpunkt, der in enger Interaktion mit der Technik Produkte entwickelt und fertigt. Dipl.-Ing. Rainer Ostermann: „Das optimale Miteinander von Mensch und Technik ist erfolgsentscheidend. Roboter kommen in Scharnhausen dort zum Einsatz, wo sie den Menschen bei seiner Tätigkeit entlasten und sinnvolle Kollaborationsteams bilden. Zudem setzen wir auf teilautomatisierte Arbeitsbereiche und auf hochflexible, wandelbare Prozesse und Abläufe. Das verlangt nach sich ständig ändernden Fähigkeiten und Fertigkeiten. Die Kompetenzen für diese Produktion der Zukunft können sich die Mitarbeiter in einer Lernfabrik aneignen, die direkt in die Technologiefabrik integriert ist. Lernen wird somit zum integrativen Bestandteil der Arbeit.“

Technologiefabrik VUVG MontageanlageRevolutionäre Produkte für die Zukunft

Den Sprung in die Zukunft schafft man aber nicht allein durch Evolution. Um zu überleben sind grundlegende Neukonzeptionen im Produktportfolio notwendig. Deshalb hat sich Festo auch gefragt, wie revolutionäre neue Produkte aussehen müssen. Wie können überwiegend mechanische Produkte in intelligente cyber-physische Systeme überführt werden? Wie können Produktivität gesteigert und die Lieferkette beschleunigt werden? Welchen zusätzlichen Nutzen und welche Wertschöpfungsmodelle bieten diese neuen Produkte den Kunden in Zukunft? Wie kann man Maschinen im laufenden Betrieb neue Aufgaben zuweisen? Besser mit ihnen kommunizieren und noch flexibler werden?

HMIReife Technologien mit neuen Fähigkeiten revolutionieren

In den Entwicklungslabors entstehen Produkte, die für Applikationen tauglich sind, an die wir heute vielleicht noch gar nicht denken. Dabei setzt Festo auch auf agile und interdisziplinär aus Hardware- und Softwareentwicklern zusammengesetzte Teams, die zum Beispiel reife Technologien wie die Pneumatik mit völlig neuen Fähigkeiten revolutionieren. Inspiration kommt unter anderem aus der Natur. Festo nutzt das Bionic Learning Network systematisch, um neue Technologien wie Schwarmintelligenz, Kommunikationsfähigkeit und Autonomie prototypisch in neue technische Systeme zu überführen.

Digitalisierung der Kundenschnittstelle

Auch die Art des Umgangs mit den Kunden verändert sich rasant. Neben dem klassischen Vertrieb führt der Weg des Kunden zunehmend in der virtuellen Welt zum Online-Produktkatalog des Unternehmens. Man spricht von der »digital customer journey«. Sie bildet digital die kompletten Berührungspunkte, vom Engineering-Prozess mit CAD-Tools, über die Produktauswahl, Konfiguration, virtuelle Inbetriebnahme bis hin zum Monitoring während des gesamten Produktlebenszyklus ab.

„Die Digitalisierung ermöglicht es unseren Kunden, ihr Produktionssystem als virtuellen Zwilling zu entwerfen, zu simulieren und zu betreiben. So wissen sie bereits im Vorfeld, ob die Module ihrer Anlage in der gewünschten Weise zusammenarbeiten. Die Komplexität einer flexiblen und adaptiven Produktion wird durch die integrierte Intelligenz beherrschbar“, so Kriwet. Die Daten aus dem Anlagenbetrieb erlauben ganz neue Einblicke in die Abläufe und Maschinenzustände.

Maschinen-Gedächtnis in der Cloud

Cloudanwendungen verarbeiten die Ressource Daten in Echtzeit in wertvolle Informationen. Vorausschauende Wartung verringert das Risiko von Maschinenstillständen und Produktionsausfällen. Beispiele für die Möglichkeiten, die dadurch entstehen: Überwachung von Temperaturverläufen, Druckluftverbrauch, Verschleißdaten oder Mischungsverhältnissen oder auch Leckageortung. Es entsteht ein »Maschinen-Gedächtnis« über die Abläufe, aus denen das Optimum für Konfiguration und Parametrisierung abgeleitet werden kann.

Innovationen live erleben

Einen Blick in die Zukunft der Automation können die Besucher der Hannover Messe (Halle 15, Stand D11) und der Smart Automation in Linz (Halle DC, Stand 0129) werfen. Festo wird anlässlich der beiden Fachmessen die neuesten Entwicklungen und Innovationen präsentieren. Dipl.-Ing. Rainer Ostermann: „Für beide Messen haben wir heuer ein ganz besonderes Highlight im Gepäck, mit dem wir unsere Kunden in eine neue Ära der digitalisierten Pneumatik einladen.“ Unterstrichen wird das in Linz erstmals durch ein ungewöhnliches digitales Messeerlebnis, bei dem Realität und Cyberspace verschmelzen. Das eröffnet auch neue Perspektiven für die Automation.

www.festo.at