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Würstlkocher, Geschirrspüler und andere Kinkerlitzchen

Eine erste Bilanz der Smart Automation 2021, die von den Problemen in den Lieferketten geprägt war - und von einem Besucherstrom, mit dem keiner gerechnet hätte.

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Bei dem einen Messestand setzte ein defekter Würstlkocher via Kurzschluss Licht und Demo-Anlage außer Gefecht, und das gleich mehrmals. Beim anderen rann das Wasser aus dem Geschirrspüler. Beim dritten war die gemietete Kaffeemaschine kaputt, während anderswo auf die Garderobenständer vergessen wurde: Messezeit war, und alle waren froh darüber, nach zwei Jahren wieder mal über solche Kinkerlitzchen lachen zu können. Weil die Veranstaltung ein Erfolg war, mit dem selbst kühnste Optimisten nicht gerechnet hätten. 

Die Smart Automation brachte von Dienstag, 19. Oktober bis einschließlich Donnerstag, 21. Oktober deutlich mehr Besucherinnen und Besucher ins Design Center Linz, als irgendjemand vermutet hätte. Es kamen nicht fast so viele Leute wie bei der letzten Veranstaltung vor Corona, sondern am Ende werden es vermutlich sogar um einige mehr gewesen sein. Welche Motivation hinter dem regelrechten Besucheransturm lag, wird wohl noch detailliert erhoben werden. Es scheinen einige Faktoren zusammengekommen sein:

Der Wunsch, wieder persönlich mit Kunden, Lieferanten und Partnern in Kontakt zu treten, die Freude über menschliche Interaktion war unverkennbar. Zweitens richtet sich die Messe an eine technologisch-wissenschaftlich orientierte Zielgruppe, bei der eine hohe Durchimpfungsrate mit dem rationalen Befolgen von sinnvollen Sicherheitsregeln Hand-in-Hand gehen. Und drittens ist da die außergewöhnliche Marktlage, die gekennzeichnet ist von vollen Auftragsbüchern und leeren Lagern. Was liegt also näher, als auf der Messe - bei der nur ein oder zwei Handvoll an Ausstellern im Vergleich zu 2019 fehlten - bei den Stammlieferanten um bevorzugte Belieferung zu buhlen und gleichzeitig nach lieferfähigen Neulieferanten umzusehen?

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Die Lieferthematik war dann auch das beherrschende Gesprächsthema. Dabei wurde augenscheinlich, wie verzwickt und vielfältig die Problematik ist. Es gibt nicht eine oder zwei Ursachen, sondern eine schier unglaubliche Verkettung von Umständen, die nahezu alle nötigen Rohstoffe betrifft: Vom Stahl über Kupfer oder Messing bis zu Kunststoffen, von den Halbleiterengpässen samt Chipmangel ganz zu schweigen. Und für jeden einzelnen Ausfall gibt es andere Gründe, die hier aufzuzählen den Rahmen sprengen würde. Von aus dem gleichgewicht geratener Frachtlogistik mit sich in europäischen Häfen stapelnden leeren Containern über Naturkatastrophen, die zentrale Fabriken außer Gefecht gesetzt haben, bis zur wegen Corona explodierten Nachfrage nach einzelnen Komponenten und Gütern, die die vernetzte Weltwirtschaft aus dem Gleichgewicht gebracht hat. Ein Aussteller ging sogar so weit, dass er am letzten Messetag seine Exponate versteigern wollte - ein gelungener Marketing-Schachzug, aber auch ein Signal, dass auch die größten Marktteilnehmer von der Problematik nicht verschont geblieben sind.

Wann Leben und Wirtschaft wieder annähernd so "normal" laufen werden wie noch 2019, darüber gehen die Meinungen auseinander. Die Schätzungen reichen von einer beginnenden Normalisierung in den Lieferketten schon im Frühjahr 2022 bis zu Auswirkungen, die uns noch 2023 beschäftigen werden. Die drei Tage von Linz waren aber in jedem Fall eines: Ein Zeichen, wie groß die Sehnsucht nach "Normalität" ist.