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Warum wir ab heuer einen Wettbewerb für HTL-Diplomarbeiten ausschreiben

Über AUTstanding, die Leistungsfähigkeit des Systems HTL und lerntechnische Fehlannahmen.

Es ist schon einige Zeit her, da saß ich, es war Juni, im Bus vor zwei HTL-Schülern und durfte Ohrenzeuge eines aufschlussreichen Dialogs werden. „Wie viele Fleck hast denn Du?“ – „Drei.“ – „Ich fünf.“ – „Pfau, da musst ja ur-viel lernen für die Entscheidungsprüfungen!“ – „Nein, ich mach die Klasse noch einmal. Weil dann muss ich das ganze nächste Jahr nix mehr lernen, weil ich ja alles schon mal gehört hab!“ – „Gscheit! Da hast eigentlich recht, so mach ich das auch.“

Ich habe damals kurz mit mir gerungen, ob ich die beiden jungen Herren spontan in ein pädagogisches Gespräch über den folgenschweren Gedankenfehler verwickeln soll, dem sie unterliegen. Aber da ich die nächste Station schon aussteigen musste, entschied ich mich wegen praktisch nichtexistenter Erfolgsaussichten gegen diesen Beoberlehrungsversuch.

Das war vor 10 Jahren, und ich bin eigentlich sicher dass die beiden mittlerweile wertvolle Mitglieder unserer Gesellschaft sind. Denn entweder sie haben die Kurve gekriegt, die Höhere Technische Lehranstalt abgeschlossen und sind als gut ausgebildete Fachkräfte auf den Arbeitsmarkt stark nachgefragt. Oder sie haben die Schule abgebrochen, weil sich ihre lerntechnische Grundannahme in der Praxis als doch nicht belastbar herausgestellt hat, dann wurden sie von einem an HTL-Abbrechern interessierten Lehrherren mit offenen Armen empfangen und sind auf dem Arbeitsmarkt ebenfalls gesuchte Facharbeiter geworden.

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Das liegt vor allem am System der HTL. Die Höheren Technischen Lehranstalten gelten international als Erfolgsmodell. Um diese Form der berufsbildenden technischen Schulausbildung beneidet uns die halbe Welt. Sie ist so gut, dass selbst Lehrbetriebe in der Regel froh sind, jemanden als Lehrling zu bekommen, der dort wenigstens mal reingeschnuppert hat. In den verschiedenen HTL-Zweigen wird technische Grundausbildung mit branchenspezifischen Know-how und methodischer Kreativität auf eine Art und Weise verbunden, die von weiterführenden Bildungseinrichtungen und Arbeitgebern gleichermaßen geschätzt wird. Schluss- und Höhepunkt der fünf Ausbildungsjahre ist die Diplomarbeit, in der die Schülerinnen und Schüler alles, was sie gelernt haben, anhand eines praktischen Beispiels zeigen.

Lange Vorrede, kurzer Sinn: AUTlook lobt ab diesem Schuljahr erstmals einen HTL-Preis für die besten Diplomarbeiten zum Thema Automatisierungstechnik aus. Den Begriff „Automatisierung“ fassen wir dabei bewusst weit, denn es geht nicht um fertige, konkret in einer industriellen Fertigungsanlage umsetzbare Lösungen: Sondern darum, den kreativen, interdisziplinären, eigenständigen Zugang zu den Herausforderungen, die unsere Arbeitswelt in Zeiten von Digitalisierung und Industrie 4.0 prägen werden, vor den Vorhang zu holen. Von den rund 60 HTL in Österreich dürfen sich also mindestens die Hälfte angesprochen fühlen: Sie alle haben Chancen, mit ihrem Projekt zu gewinnen.

Weitere Informationen zu AUTstanding (so heißt der Wettbewerb) finden Sie in diesem Heft auf den Seiten 10-11 sowie im Internet unter www.autstanding.at. Auch in unserem wöchentlichen AUTlook-Donnerstags-Newsletter, den wir mit September 2018 gestartet haben und für den Sie sich auf www.autlook.at anmelden können, wird es laufend neue Informationen über den HTL-Wettbewerb geben – und wir haben dazu noch einige schöne Überraschungen in der Pipeline, die hoffentlich alle so aufgehen wie wir sie planen. Bleiben Sie dran!