Studie

Warum die zunehmende Automatisierung emotionale Intelligenz wichtiger macht

Der Einsatz neuer Technologien in der Arbeitswelt ist eine Grundvoraussetzung für den Geschäftserfolg - emotionale Intelligenz wird das zweite Standbein der Unternehmen werden.

Neue Technologien automatisieren mehr und mehr Routineaufgaben, sowohl in den Produktionshallen als auch in den Büros. Das gibt den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern eine neue Rolle. Die Frage, was die Kernkompetenzen der Menschen sind, wird - so die Studie „Emotional Intelligence - the essential skillset for the age of AI“ des Beratungsunternehmens Capgemini - von Führungskräften zunehmend mit "Emotionaler Intelligenz" beantwortet. "Selbstreflexion, Selbstmanagement, soziales Bewusstsein und Beziehungsmanagement werden eine Kernkompetenz für den Erfolg im digitalen Zeitalter", glaubt daher Andreas Hornich von Capgemini Österreich.

Nachfrage steigt, Recrutierung hinkt

76 Prozent der Führungskräfte sagten im Rahmen der Studie, dass die Mitarbeiter ihre EI ausbauen müssen, damit sie auch für kunden- und personenbezogenere Rollen geeignet sind. Ebenfalls 76 Prozent meinten, dies sei nötig, damit sie Aufgaben übernehmen können, die nicht automatisierbare EI-Fähigkeiten wie Empathieempfinden, Einflussnahme und Teamarbeit erfordern. Im globalen Durchschnitt glauben 61 Prozent der befragten Führungskräfte, dass Emotionale Intelligenz in den nächsten ein bis fünf Jahren zu einer Must-have-Fähigkeit wird. Von den Mitarbeitern ohne Führungsaufgaben glauben dies 41 Prozent. Insgesamt sagten 83 Prozent der Unternehmen, dass eine hochgradig emotional intelligente Mitarbeiterschaft in den kommenden Jahren eine Grundvoraussetzung für Erfolg sein wird.

"Unternehmen ist zunehmend bewusst, dass sie die Kompetenzen von Mitarbeitern mit ausgeprägter Emotionaler Intelligenz brauchen. Allerdings bewegen sie sich nicht schnell genug, um angemessen in sie zu investieren", so Hornich, Head of Insights and Data bei Capgemini in Österreich. Die Nachfrage nach Emotionaler Intelligenz wird international in den nächsten drei bis fünf Jahren um das Sechsfache steigen. Die Rekrutierungsprozesse und Trainings sind in diesem Punkt allerdings noch nicht auf der Höhe der Zeit. Dies führt dazu, dass viele Unternehmen nicht von den positiven Effekten Emotionaler Intelligenz auf Mitarbeiterzufriedenheit, Umsatzgenerierung, Fluktuation und Kostensenkungen profitieren können.

Mitarbeiter in Sorge vor Automatisierungseffekten

Der Anteil der Mitarbeiter insgesamt, die glauben, dass ihre Fähigkeiten durch Automatisierung und KI überflüssig sind oder werden, ist in den letzten zwei Jahren um 10 Prozentpunkte gestiegen. Der Anteil der Mitarbeiter, die glauben, dass ihre Fähigkeiten bereits überflüssig sind oder es innerhalb der nächsten drei Jahren werden, ist international von 30 auf 39 Prozent gestiegen. Darüber hinaus ist der Anteil der Millennials, die mit dieser Entwicklung rechnen, von 40 auf 50 Prozent gestiegen. Offensichtlich kennen Millennials die Auswirkungen von Automatisierung und KI und sind immer stärker beunruhigt, weil sie davon ausgehen, dass sie ein Großteil der Automatisierungseffekte sie treffen wird.

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Unternehmen mit emotional intelligenter Belegschaft profitieren

Unternehmen, die über Mitarbeiter mit hoher Emotionaler Intelligenz verfügen, genießen erhebliche Vorteile: Im Durchschnitt haben 60 Prozent der befragten Unternehmen international höhere Gewinne von mehr als 20 Prozent durch ihre Mitarbeiter, die eine hohe EI zeigen. Zu den wichtigsten quantitativen Vorteilen gehören eine gesteigerte Produktivität, eine höhere Mitarbeiterzufriedenheit und ein wachsender Marktanteil. Die Studie schätzt, dass Unternehmen, die nachhaltig in EI investieren, einen Return on Investment zwischen dem 2,2- und 4,4-fachen erzielen, wenn man die Auswirkungen auf Umsatz, Produktivität, Kosten und Fluktuation einkalkuliert.

Während 75 Prozent der Unternehmen angeben, dass sie die EI-Fähigkeiten ihrer Mitarbeiter entwickeln können, tut ein weitaus geringerer Anteil etwas dafür, um dieses Ziel zu erreichen: Nur 42 Prozent der Unternehmen bieten entsprechende Trainings für Senior-Management und Führungskräfte an. Für das mittlere Management tun dies international lediglich 32 Prozent. Mitarbeiter ohne Führungsverantwortung erhalten international nur bei 17 Prozent der Unternehmen Trainings in Emotionaler Intelligenz.

Emotionale Intelligenz ins Mitarbeiter-Management integrieren

Die Studienautoren kommen zu dem Schluss, dass Unternehmen EI in ihr Mitarbeiter-Management integrieren und sowohl Bottom-up- als auch Top-down-Ansätze verfolgen müssen, um durch Veränderungen bestehender Prozesse eine Belegschaft mit hoher EI aufzubauen. Unternehmen müssen auch eine Kultur entwickeln, die EI wertschätzt und nach kontinuierlicher Verbesserung strebt. Die Studie hebt vier Schlüsselbereiche hervor, auf die sich Unternehmen konzentrieren sollten, um eine Belegschaft mit stark ausgeprägter Emotionaler Intelligenz aufzubauen:

  • Umbau bestehender Lernprogramme zur Integration von EI und Verfügbarkeit für alle Mitarbeiter.
  • Modifizierung der Rekrutierungsprozesse, um die Bewertung der EI zu ermöglichen.
  • Berücksichtigung von EI bei Beförderungen und der Entlohnung des Personals.
  • Einsatz von Technologie und Daten zum Aufbau einer EI-Kultur.

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