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Warum die Smart Automation in Wien ein Maroni-Problem hat

Die Smart in Linz ist alle zwei Jahre ein großer Erfolg. In den Jahren dazwischen ist die Smart in Wien … nun ja, nennen wir es: umstritten. Das hat aber mehr mit der Größe der Verpackung zu tun als mit der Qualität der Messe.

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Maronibrater stopfen die Maroni immer in ein viel zu kleines Stanitzel. Sie machen das nicht, um Kosten zu sparen. Sie machen das absichtlich: Um beim Kunden das Gefühl zu wecken, er habe von einem großzügigen Verkäufer ein wirklich volles Stanitzel bekommen, sogar mit einem Gupf obendrauf. Würde der Maronimann die gleiche Menge an Esskastanien in eine doppelt so große Papiertüte geben, wir wären unwillkürlich enttäuscht. Weil, da ist ja noch Platz drinnen! Drum sind die Stanitzel immer zu klein: Künstliche Verknappung nennen das die Marketing-Experten.

Die Smart Automation steht vor einem ähnlichen Dilemma. In Linz sind Aussteller wie Besucher immer zufrieden, so der Tenor in der Branche. Da sind die Hallen voll, viele Besucher, viele Aussteller, alles super. In Wien hingegen, die Messe werde nicht angenommen, das merkt man – es sei einfach nicht voll. Die Besucher verlieren sich in den Hallen, zwischen den Ständen leere Flächen …

In Linz bietet das Design Center in der großen Ausstellungshalle 4.300 m2 Platz. Mit allen Nebenräumen und sonstigen Veranstaltunglocations liegt das Design Center bei knapp 10.000 m2 nutzbarer Gesamtfläche. Die Messe Wien verfügt über vier Ausstellungshallen mit gemeinsam 55.000 m2 Ausstellungsfläche. Verbunden sind die Hallen mit einem 450 Meter langen und 14 Meter breiten Gang, davor gibt es noch ein großzügiges Foyer, rundherum ein Congresscenter von nochmal fast einem Hektar – kurz gesagt: Das Vorzimmer und die Nebenräume der Messe Wien sind größer als das gesamte Linzer Design Center.

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Da kann der Veranstalter Reed noch hundertmal vorrechnen, dass in Wien und in Linz ziemlich vergleichbare Aussteller- und Besucherzahlen verzeichnet werden. Das subjektive Gefühl ist ein anderes: Alleine der laaaaange Weg vom Eingang ins Foyer durch den endlosen Gang bis zum Eingang in die Halle bis zum ersten Messestand – das ist, als würden sechs Maroni in einem riesigen Ikea-Sack liegen statt in einem Papiersackerl von Kaffeetassengröße.

Sie glauben das nicht? Nehmen wir ein anderes Beispiel. Erinnern Sie sich bitte an das letzte stimmungsvolle Konzert, das sie gehört haben. Egal ob das in einem Jazzkeller war oder in einem Konzertsaal. So, und jetzt stellen Sie sich vor, dasselbe Konzert hätte in einer zehn Mal so großen, weiß gekachelten Halle stattgefunden …

Gehen Sie auf die Smart Automation in Wien, mit genau diesem Gedanken im Kopf. Versuchen Sie geistig die paar tausend Quadratmeter gähnend leerer Fläche abzuziehen, die Sie auf dem Weg vom Parkhaus oder der U-Bahn bis zum ersten Aussteller durchqueren. Ich wette mit Ihnen, dass das einen Unterschied ausmacht. Mein Einsatz ist ein Stanitzel Maroni.

klaus.paukovits@industriemedien.at