Sick

Ohne Konfliktmineralien, aber mit Fitness-Studio

Was alles dazu gehört, um ein "großartiger Ort zum Arbeiten" zu sein, wie Sick Österreich Weihnachten feiert - und was das mit dem HTL-Wettbewerb AUTstanding zu tun hat.

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Sich etwas trauen und neugierig bleiben sind Werte, die bei Sick zählen: Hier etwa bei den "Sick robot days", bei denen Teams mehrerer Hochschulen aufeinander treffen.

Beim HTL-Wettbewerb AUTstanding engagiert sich Sick als Hauptsponsor. Das Thema ist beim Sensorspezialisten Chefsache: Geschäftsführer Christoph Ungersböck wird den Wettbewerb als Juror begleiten. Im Interview mit AUTlook ermöglicht der Diplomingenieur einen Blick hinter die Kulissen eines Unternehmens, das sich nicht nur als Technologie-Marktführer versteht, sondern auch in anderen Lebensbereichen Trends setzen möchte.

Zum Einstieg: Können Sie erklären, was „Konfliktmineralien“ sind?

Christoph Ungersböck: Als Konfliktmineralien werden Rohstoffe und Ressourcen bezeichnet, die in Konflikt- oder Hochrisikogebieten angebaut oder gefördert werden. Insbesondere in der Demokratischen Republik Kongo und den angrenzenden Staaten wird mit der Förderung bestimmter Rohstoffe der dort anhaltende bewaffnete Konflikt finanziert. Dabei kontrollieren Milizen unter schwersten Menschenrechtsverletzungen Rohstoffminen und verkaufen die dabei gewonnenen, sogenannten Konfliktmineralien – vor allem Gold, Tantal, Wolfram und Zinn, die sogenannten „3TG-Mineralien“ – in die ganze Welt. In den USA sind einige Unternehmen gesetzlich dazu verpflichtet, darüber Bericht zu erstatten, ob und inwieweit ein Bezug von 3TG-Mineralien aus der Konfliktregion stattfindet. Dies bezweckt, dass in Zukunft nur noch konfliktfreie 3TG-Mineralien gekauft und gehandelt werden, was insbesondere über ein System zertifizierter Schmelzen erreicht werden soll. Auch die entsprechende EU Konfliktmineralien Verordnung sieht eine Berichts- und Zertifizierungspflicht für Schmelzbetriebe und Raffinerien sowie große Rohstoffimporteure vor. 

White Paper zum Thema

In Ihren Sensoren werden viele verschiedene Rohstoffe verarbeitet. Wie stehen Sie zu dem Thema?

Ungersböck: Sick ist weder von der US-amerikanischen noch der Berichtspflicht der  Europäischen Union betroffen. Dennoch erkennt Sick das dahinterstehende Ziel – die Vermeidung der Finanzierung militanter, menschenrechtsverletzender Gruppierungen – an und wirkt ausdrücklich an der Zielerreichung mit. Wir arbeiten darauf hin, nur noch konfliktfreie 3TG-Mineralien in den eigenen Produkten zu verwenden, und befürworten in diesem Rahmen ausdrücklich die Etablierung des Responsible Minerals Assurance  Process (RMAP) der Responsible Minerals Initiative (RMI).

Nachhaltige Entwicklung mit Bienenund Photovoltaik

Sick betont häufig seine gesellschaftliche Verantwortung, nicht nur bei dem angesprochenen Thema. Was umfasst das für Sie noch alles?

Ungersböck: Das umfasst noch viele weitere Themen, unter anderem unsere Verantwortung für die Umwelt. Ganz in der Tradition des Firmengründers Dr. Erwin Sick, dem der Schutz der Umwelt bereits vor mehr als 60 Jahren am Herzen lag, setzt Sick bewusst auf eine nachhaltige Entwicklung des Unternehmens. Um negative Umweltauswirkungen während des Produktionsprozesses insgesamt so gering wie möglich zu halten, setzt Sick auf eine dreistufige Klima- und Umweltschutzstrategie: Wir vermeiden, was wir können – wir vermindern, was nicht zu vermeiden ist – wir optimieren, was wir nicht vermindern können. Diese Grundsätze leben wir auch in unserer Tochtergesellschaft in Österreich und unterstützen sie mit zahlreichen Projekten. So wurde Sick Österreich als klimaneutrales Unternehmen ausgezeichnet, im Sommer 2018 sind an unserem Firmenstandort mehrere Bienenvölker eingezogen und vor Kurzem ist eine Photovoltaikanlage in Betrieb genommen worden, mit der wir unseren eigenen Strom erzeugen. 

Sick ist in erster Linie aber ein Technologie-Unternehmen. Wo schlägt sich die Firmenphilosophie da nieder?

Ungersböck: Freilich spielt für Sick auch die Verantwortung für die Gesellschaft im
Sinne von Technik und Forschung eine große Rolle. Durch die enge Zusammenarbeit
mit Universitäten, Hochschulen und Instituten tragen wir dazu bei, die Forschung
voranzubringen und den Stand der Technik weiterzuentwickeln. Sick Österreich arbeitet hier auch eng mit zahlreichen Bildungsinstituten zusammen, wie beispielsweise mit der FH Technikum Wien. 

Geht’s den Mitarbeitern gut, geht’s uns allen gut

Ihr Unternehmen ist „ein großartiger Ort zum Arbeiten“, schreiben Sie auf Ihrer Homepage: Wie lässt sich so etwas objektiv bewerten?

Ungersböck: Da sprechen Sie einen weiteren wichtigen Punkt an: Sick ist sich seiner Verantwortung als zuverlässiger Arbeitgeber bewusst. Daher hat die Personalarbeit bei uns einen hohen Stellenwert. Sie nimmt die Wünsche der Mitarbeiter ernst und reagiert flexibel auf deren unterschiedliche Qualifikationen, Lebensphasen und Anforderungen. Gerade weil sich bestens ausgebildete Fach- und Führungskräfte heute ganz bewusst für ein Unternehmen entscheiden, wo eine lebenswerte Unternehmenskultur gelebt wird. Bewerten lässt sich das sowohl durch regelmäßige Top-Platzierungen beim Wettbewerb „Great Place to Work“ als auch durch direktes Feedback unserer Mitarbeiter. Die Sick AG nimmt seit 16 Jahren an der Mitarbeiterbefragung und dem Arbeitgeberwettbewerb des Great Place to Work Instituts erfolgreich teil. Sick Österreich hat erstmals im Jahr 2017 teilgenommen und wurde sogleich als einer der besten Arbeitgeber Österreichs ausgezeichnet.

Für ein Technologieunternehmen befasst sich Sick enorm viel mit „sanften“ Themen wie Corporate Responsibility und Familienfreundlichkeit. Woher kommt das? 

Ungersböck: Sick hat einfach erkannt, wie wichtig die Mitarbeiter für ein Unternehmen sind. Ganz nach dem Motto: „Geht’s den Mitarbeitern gut, geht’s uns allen gut.“ Deshalb bieten wir unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern umfangreiche Angebote zur Gesundheitsförderung, wie etwa ein Fitnessstudio mit eigenen Trainern im Haus oder täglich frischem Obst und Gemüse, und unterstützt bei der Vereinbarkeit von Familie und Beruf mit flexiblen Arbeitszeitmodellen. Und eine Firmenpension gibt’s freilich auch.

Welche Rolle spielt Aus- und Weiterbildung bei Ihnen – jetzt nicht nur soft facts, sondern
insbesondere im technischen/fachlichen Bereich?

Ungersböck: Aus- und Weiterbildung ist bei Sick ein fixer Bestandteil in der Entwicklung der Mitarbeiter. Für die persönliche Weiterentwicklung gibt es jährlich für jede Abteilung ein 3-tägiges Teamtraining, in dem es neben einem bestimmten Thema auch immer um körperliche und mentale Fitness geht. Im technischen/fachlichen Bereich gibt es sowohl Ausbildungen für neue Mitarbeiter als auch laufende Weiterbildungen für alle bestehenden Mitarbeiter. Sie umfassen Trainings in allen möglichen Bereichen: Produkte, Branchen, Applikationen, Industrie 4.0 sowie Tools für den eigenen Arbeitsbereich. Seit Kurzem arbeiten wir auch mit der unternehmensinternen Plattform SIA (Sensor Intelligence Academy). Hier können sich Mitarbeiter über Weiterbildungsangebote informieren, anmelden und teilweise auch gleich online absolvieren. Viele Trainings werden auch als Präsenztraining angeboten, diese finden je nach Thema an unserem Firmenstandort in Wiener Neudorf oder direkt im Headquarter statt, wo eine eigene Business Unit die Weiterbildung unterstützt.

Globales Denken in allen Bereichen

Sick ist ein international aufgestelltes Unternehmen, alleine an der österreichischen
Tochtergesellschaft hängen 14 Länder dran. Wirkt sich das auf die tägliche Arbeit aus?

Ungersböck: Das wirkt sich natürlich auf die tägliche Arbeit und auch Zusammenarbeit
aus. Zum einen müssen wir in allen Bereichen „globaler“ Denken, als es Tochtergesellschaften tun, die ausschließlich für das eigene Land verantwortlich sind. Zum anderen berücksichtigen wir auch die verschiedenen Nationalitäten und Kulturen, die hier aufeinandertreffen. Deshalb ist für uns ein enger Kontakt mit allen Kollegen aus Südosteuropa wichtig, damit wir ein einheitliches Verständnis von unserer Arbeit haben und auch einheitliche Werte pflegen. Wir fördern das nicht nur in der täglichen Arbeit, sondern auch beispielsweise in den bereits erwähnten Teamtrainings: Seit 2018 nehmen
die Kollegen aus Südosteuropa und Österreich gemeinsam an Teamtrainings innerhalb der passenden Abteilung teil – früher gab es für jedes Land eigene Teamtrainings. Das gibt Gelegenheit, sich auch persönlich besser kennenzulernen. Und nicht zu vergessen: Auch unsere Weihnachtsfeier findet immer für alle Kollegen unserer gesamten Region statt, um das Arbeitsjahr gemeinsam ausklingen zu lassen und um gemeinsam Erreichtes gemeinsam zu feiern.

Was erwarten Sie von Bewerbern? Auf welche Eigenschaften schauen Sie z.B. bei HTL-Absolventen ganz besonders?

Ungersböck: Wichtig sind vor allem Engagement, Offenheit, Kreativität und Agilität. All diese Qualitäten sind in der modernen Arbeitswelt mehr denn je gefragt. Das findet sich nicht nur in erfolgreichen Unternehmen aus dem Silicon Valley oder den unzähligen erfolgreichen Start-ups weltweit, sondern auch bei Sick mit seinen vielen jungen  dynamischen MitarbeiterInnen.

Plattform für HTL-SchülerInnen

Warum unterstützen Sie den HTL-Wettbewerb AUTstanding?

Ungersböck: Zum einen bietet AUTstanding den HTL-SchülerInnen die ideale Plattform, um sich selbst und ihre Leistungen präsentieren zu können – das möchten wir unterstützen. Zum anderen ist es für Sick natürlich auch eine tolle Gelegenheit, um einerseits zu erfahren, mit welchen Themen sich die Schüler beschäftigen, und um andererseits die ersten Kontakte zu potenziellen zukünftigen Mitarbeitern zu knüpfen. 

Worauf werden Sie bei der Bewertung der Arbeiten besonders Augenmerk legen?

Ungersböck: Besonders beachten werde ich Faktoren wie Innovation und Kreativität der Idee sowie ihre praxistaugliche Relevanz und Umsetzbarkeit. 

Was bieten Sie als Hauptsponsor den Siegern?

Ungersböck: Wir möchten den Besten die Möglichkeit bieten, unser Headquarter in Waldkirch, Deutschland, zu besuchen und dabei unsere moderne Produktion kennenzulernen. Und je nach Thema der Gewinner möchten wir diese einladen, Ihr Projekt bei einer internen Veranstaltung näher vorzustellen. 

Ganz allgemein gefragt: Was wünschen Sie sich von jungen Technikern und Technikerinnen?

Ungersböck: Dass sie offen an neue Problemstellungen herangehen, sich auch mal etwas trauen und immer neugierig bleiben.