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Mit welchen Technologien können wir die Apocalypse überleben?

Wer diese Frage dem Wissenschaftler Douglas Rushkoff ganz im Ernst gestellt hat – und welche Konsequenzen das für unsere digitale Zukunft hat.

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Es ist eine verstörende Geschichte, die der Medientheoretiker, Zukunftsforscher und Buchautor Douglas Rushkoff dieser Tage zu erzählen hatte. Zuerst veröffentlichte er seine Erlebnisse auf der Nerd-Plattform Medium.com, ehe der Text von der britischen Tageszeitung The Guardian übernommen und einem breiteren Publikum bekannt gemacht wurde. Die Geschichte, die vollständig zu lesen ich nur empfehlen kann, sei hier kurz zusammengefasst.

Rushkoff, ein Vordenker im Bereich der digitalen Technologien, war zu einem Vortrag eingeladen. Soweit so gewöhnlich, doch das angebotene Honorar überstieg seinen üblichen Stundensatz um ein Vielfaches. Erst am Ort des Vortrags kam er hinter den Grund für diese fürstliche Bezahlung: Er sollte einer kleinen Gruppe reicher Männer vertraulich erläutern, mit Hilfe welcher Technologien sie eine zukünftige Apokalypse überleben könnten –  und zwar egal ob der Grund für den Zusammenbruch des Systems die Klimakatastrophe, ein Nuklearunfall oder eine Pandemie sei. Wie sie Lebensmittel so sicher erzeugen und verwahren könnten, dass nur sie selbst Zugang zu den Vorräten und die uneingeschränkte Macht zur Verteilung hätten, das war eine der Fragen aus dem Kreis der Finanzelite. Wie sie die Wachmannschaften kontrollieren könnten, die sie zur Abwehr von Eindringlingen bräuchten – eventuell ausgestattet mit Wearables, die der Disziplinierung dienen, damit sich die Söldner nicht verbünden und gegen ihre Auftraggeber richten? Oder sei die Roboterentwicklung schon so weit, dass die mechanischen Helfer statt der Menschen als Wächter und Arbeiter genutzt werden könnten?

Es klingt wie der Plot eines dystopischen Hollywood-Endzeitfilms, im Stile von I Robot oder The Road oder Die Insel. Und doch sind es reale Überlegungen von realen Menschen, von denen uns Rushkoff hier berichtet. Roboter, die Lebensmittelvorräte für einige wenige vor den hungernden Massen schützen. Sensoren in Halsbändern, die im Zusammenspiel mit strafenden Aktoren die Untertanen im Auftrag ihrer Herren automatisch im Zaum halten. Technologie als Lösung, und die Menschen als Problem.

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Es gibt offenbar Leute da draußen, die das wirklich so sehen – und sich das auch leisten könnten. Das ist ebenso bizarr wie beängstigend. Eine positive Botschaft liefert Douglas Rushkoff mit seinem Erfahrungsbericht leider nicht mit. Ich will es versuchen: Auf offene Systeme statt auf schwarze Boxen setzen, auf Schnittstellen statt Firewalls, auf Kooperationen statt Monopolismus. Weiterbildung statt Konsum: Je mehr Menschen die von ihnen genutzten Technologien beherrschen, statt von diesen beherrscht zu werden, desto sicherer ist es für alle.

Oder aber wir verlassen uns drauf dass James Bond die Menschheit in letzter Sekunde vor dem Untergang rettet. Kann auch Ethan Hunt sein, Hand in Hand mit Wonder Woman. Wenn es superreiche Superbösewichte ganz in echt gibt, vielleicht gibt es eh auch Superhelden.