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It's the workforce, stupid!

An beiden Enden der demographischen Pyramide gehen uns die Arbeitskräfte aus. Warum nutzt die Automatisierungsbranche dieses Argument nicht stärker zu ihrem Gunsten?

Vor etwa 10 Jahren hatte ich das Vergnügen, den Bildungsforscher Helmut Dornmayr bei einer von mir moderierten Veranstaltung zu haben. Er rechnete damals vor, dass es ab etwa 2015 zu einem markanten Facharbeitermangel kommen werde. Denn die Zahl der Berufseinsteiger sei massiv im Sinken, von 140.000 pro Jahr noch Ende der 1990er auf dann nur mehr 80.000 pro Jahr. Daher werde es dann ein großes Rangeln um den Nachwuchs in allen Berufsgruppen geben. Wir wissen heute, dass er Recht hatte.

Mitte September hatte ich ihn erneut als Diskutant auf einem von mir moderierten Podium (anlässlich des 2-jährigen Bestehens des CDP, des Center for Digital Production). Natürlich fragte ich ihn wieder nach seiner mittelfristigen Prognose für den Facharbeitermangel, und seine Analyse setzte diesmal am anderen Ende der demographischen Pyramide an: Denn die Zahl der Berufseinsteiger hat sich jetzt eingependelt, das wird sich in absehbarer Zeit nicht wesentlich verändern. Das Problem sind die Pensionierungen: Ab etwa Mitte des kommenden Jahrzehnts werden jährlich 40.000 Menschen mehr aus dem Berufsleben ausscheiden als Junge nachrücken. Und diese in Rente gehenden Babyboomer werden eine Lücke aufreißen, die zu füllen derzeit unmöglich scheint. So viel Migration, dass man das ausgleichen könnte, können wir gar nicht nach Österreich holen – selbst wenn wir es wollten.

Der Denkanstoß für die Branche könnte sein: Ist die Automatisierung nicht nur nicht das gesellschaftliche Problem, als das es bei vielen um ihren Arbeitsplatz bangenden Menschen angesehen wird – sondern vielmehr sogar eine mögliche Lösung für ein noch viel größeres Problem, das wir derzeit nur einfach noch nicht sehen wollen?

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