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Gaslecksuche bei 90 km/h

Mit dem „Mobile Gas Leak Detection System“ könnte ABB den Gasnetzbetreibern die Überwachung des Leitungsnetzes wesentlich erleichtern.

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Der Diodenlaser-Gasanalysator unterscheidet zwischen natürlichem Methan und Erdgas, dem Ethan beigemischt ist.

Um Lecks im Leitzungsnetz zu entdecken, mussten Gasnetzbetreiber bisher großen Aufwand treiben. Übliche Methode ist ein Handmessgerät, das auf Cavety-Ringdown-Spektroskopie beruht. Mit diesem Messgerät macht sich ein Messläufer zu Fuß auf den Weg und kann Leckagen daher auch nur genau dort verorten, wo ohnehin schon eine undichte Stelle vermutet wurde. Eine Entwicklung der kalifornischen ABB-Tochter „Los Gatos Research“ aus San Jose soll hier Abhilfe schaffen.

Made in California

In der Wüste von Nevada wurde die Entwicklung erstmals getestet. Denn das Leitungssystem der „Southwest Gas Corporation“ erstreckt sich dort über eine riesige, großteils unbewohnte Fläche, was die Gaslecksuche wie die sprichwörtliche Suche nach der Nadel im Heuhaufen erscheinen ließ. Mit dem „Mobile Gas Leak Detection System“ sollte das einfacher werden: Denn es kann auf ein Auto montiert werden und ist so empfindlich, dass es bei Geschwindigkeiten bis 90 km/h noch immer Lecks in 180 Metern Enternung entdeckt. Es funktionierte - und sparte dem Gasnetzbetreiber viel Zeit und Geld. In der gleichen Zeit wie bisher konnte eine bis zu 25-mal größere Fläche auf Gaslecks hin untersucht werden. Was in der unbewohnten Wüste Sinn macht, kann aber auch in mitteleuropäischen Städten zur Effizienz beitragen. Seit Sommer 2018 bringt ABB das System deshalb auch hierzulande auf den Markt.

Kuh oder Erdgas

Kern des Systems ist ein Analysator, der die Konzentration von Methan und Ethan in der Luft misst. Ethan ist deshalb der entscheidende Faktor, weil chemisch reines Methan auch aus Kuhmägen, Kläranlagen oder Mülldeponien in die Luft gelangt. Ethan hingegen wird dem Erdgas bewusst beigemischt, um es von natürlichem Methan unterscheiden zu können. Nur die gleichzeitige Bestimmung der beiden Elemente erlaubt es daher, Erdgas sicher zu identifizieren. Zur Anwendung kommt eine patentierte Laserabsorptionstechnologie. Die „Off-Axis Integrated Cavity Output Spectroscopy“ (OAICOS), so der sperrige Namen dafür, bietet eine deutlich höhere Leistung als herkömmliche Systeme. Der eingesetzte Diodenlaser misst die Gaskonzentration, ein GPS-Empfänger bestimmt die genau Position des Fahrzeugs und ein Anemometer berücksichtigt Windrichtung und Windgeschwindigkeiten. Diese drei Faktoren werden aufgezeichnet, ausgewertet und lassen während einer Messfahrt die Position eines Lecks exakt bestimmen.

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Datenerfassung und Visualisierung

Ergänzt wird das System durch die Möglichkeiten, die ABB Ability bietet. Dazu gehört die Erfassung, Verarbeitung und Visualisierung der Daten sowie die Verfügbarkeit der Ergebnisse über die Cloud. Somit steht das Ergebnis jeder Messfahrt, ob in Nevada oder Neubau, innerhalb von Minuten den Mitarbeitern in der Unternehmenszentrale zur Verfügung. Mittelfristig sind auch weitere Einsatzmöglichkeiten denkbar. So arbeitet ABB mittlerweile an einer kleineren Variante des Gasanalysators, der mit einem Gewicht von nurmehr 6 Kilogramm auch auf einer Drohne montiert werden könnte. Auch der Einsatz für Katastrophenschutz und Feuerwehr ist angedacht.

Es ist geplant, ein Fahrzeug mit dem Mobile Gas Leak Detection System den Gasnetzbetreibern zum Testen oder Mieten anzubieten. Peter Janda, Leiter des Bereichs Messtechnik bei ABB Österreich, ist von der Leistungsfähigkeit des Angebots überzeugt: „Der Analysator ist so empfindlich und zuverlässig, dass man damit – umgelegt auf andere Messgrößen – ein Stück Zucker entdecken könnte, das im Bodensee aufgelöst wurde!“