Industrie 4.0

Digitalisierung funktioniert

Ein Buch des TÜV wirft einen Blick zurück auf die ersten drei Etappen der industriellen Revolution - und entwickelt daraus Strategien für die Zukunft.

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IIoT TÜV Industrie 4.0 Digitale Transformation

Machen Digitalisierung begreifbar: Hannes Krösbacher, Alexandra Markis und Christoph Schwald (v.r.n.l.).

Wer Industrie 4.0 verstehen will, sollte einen Rückblick auf die ersten drei Etappen der industriellen Revolution werfen. Denn wer die Vergangenheit nicht kennt, ist dazu verdammt, immer wieder dieselben Fehler zu wiederholen. Das gilt auch für die digitale Transformation: „Die Digitalisierung per se ist nichts Neues und findet schon seit Jahrzehnten statt“, heißt es im Vorwort zum Buch „Die digitale Transformation“, das der TÜV Austria vor Kurzem herausgebracht hat.

Autor ist Hannes Krösbacher, der seit mehr als 30 Jahren selbstständig in der IT-Branche tätig ist. Der ehemalige Geschäftsführer mehrerer IT-Unternehmen ist als Unternehmensberater, Interim-Manager und Business-Coach tätig – und neuerdings auch als Buchautor. Co-AutorInnen sind Christoph Schwald und Alexandra Markis, die beim TÜV im „Digital Acceleration Incubator“ Next Horizon zur Industrie 4.0 forschen. 

Umsetzbarer Ratgeber

„Das erste Ziel des Buches ist es, die Bedeutung der Digitalisierung, den digitalen Wandel durch Rückblick auf die ersten drei Revolutionen als 4. industrielle Revolution zu verdeutlichen“, erklärt Hannes Krösbacher. Das wird in einer Sprache und anhand von Themenfeldern beschrieben, die allgemein verständlich und nachvollziehbar sind – denn die Zielgruppe sind Unternehmer und Entscheider, die „jetzt den Handlungsbedarf
erkannt haben und einen Change Request auslösen“, so Krösbacher. Das gilt auch für die Praktiker in den KMU, die für ihre Branche Möglichkeiten suchen, neue Geschäftsmodelle zu entwickeln oder Lücken erkennen, in denen die Digitalisierung ihnen neue Märkte eröffnet.

White Paper zum Thema

Auch digitale Start-ups und „Gazellen“, wie sich rasch wachsende Neugründungen nennen, sind angesprochen: Bei diesen geht es naturgemäß weniger um das Aufzeigen von Chancen als ums Aufzeigen eines strukturierten Bezugsrahmens, mit dem das rasante Wachstum gesteuert erden kann. Auch allgemein an Digitalisierung interessierte Menschen können sich von dem Buch angesprochen fühlen. Krösbacher: „Wir wollen nicht nur die Digitalisierung in ihrer gesamten Dimension aufzeigen, sondern auch erprobte, fundierte Umsetzungsstrategien vorstellen und einen praktischen, branchenunabhängigen Ratgeber zur Verfügung stellen – strukturiert und für jedermann umsetzbar“.

Keine Künstliche Intelligenz

In dieser Konzentration auf konkret umsetzbare Maßnahmen ist kein Platz für Zukunftsvisionen wie Künstliche Intelligenz, die sonst häufig im Mittelpunkt der Ausführungen steht. Hannes Krösbacher ist hier skeptisch: „In Bezug auf Künstliche Intelligenz ist die gesamte Fachwelt der Meinung, dass wir hier am absoluten Anfang der Entwicklung stehen. Mit dem Buch wollte ich bewusst keine Spekulationen nähren, wie die Welt irgendwann sein könnte, sondern Digitalisierung durch Aufzeigen von realen Fallbeispielen begreifbar machen.“ Außerdem sei Künstliche Intelligenz ja weniger ein technisches, sondern vor allem ein ethisches Thema – eine Frage also, die ein eigenes Buch nötig machen würde.

Postbetreute Serviceleistungen

Denn auch so gibt es genügend konkrete Fragen, mit denen sich Krösbacher in seinem Buch auseinandersetzt. Etwa die horizontale Integration, also die durchgängige Digitalisierung der gesamten Supplychain und der Integration vor- und nachgelagerter Prozesse. „In einigen Bereichen wird die bestehende Supplychain komplett aufbrechen, denken wir hier an die Elektroauto-Industrie, wo durch die vereinfachte Herstellung von E-Motoren sich heute bereits viele Nischenanbieter versuchen, ohne auf die Strukturen der klassischen Automobilhersteller zurückzugreifen“, sagt Krösbacher und verweist auf Beispiele wie Scooter oder Egoo, die ausführlich beschrieben werden.

Neue Prozesse

Zudem werden bisher klassisch nachgelagerte Prozesse wie Service-Dienstleistungen durch intelligente Produkte eine völlig neue Bedeutung bekommen und auch so neue Geschäftsmodelle hervorbringen: „Eine intelligente Waschmaschine bietet einen völlig neuen Ansatz der postbetreuten Serviceleistungen – einen Begriff, den es so noch gar nicht gibt – durch prediktive Services, Waschmittellieferungen on demand,
Waschzeitensteuerung durch Start bei genügend Solarstrom, und viele mehr“, so der Autor. Gerade die neuen, smarten Produkte werden eine Fülle von neuen Geschäftsmodellen mit neuen Dienstleistungen hervorbringen, die den bisherigen güterdominierten Ansatz verändern werden.

Hier geht es nicht nur darum, jeden Prozess auf Teufel komm raus zu digitalisieren, sondern vor allem auch darum, ihn über Prozessinnovationen neu zu gestalten oder überhaupt erst neu zu erfinden: Auf diesem Weg will das Buch als Rat- und Ideengeber begleiten.

Die digitale Transformation - Industrie 4.0 und Internet of Things
TÜV Austria Fachverlag, 192 Seiten, ISBN 978-3-901942-96-9
www.tuv.at/fachverlag
verlag@tuv.at