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Corona-Virus und die Lieferketten: Jetzt vorsorgen statt banges Warten!

Wir sind von China abhängig, das spürt die europäische Wirtschaft jetzt. Den Bedarf mit kritischen Komponenten zu decken ist nötig, um die Produktion abzusichern.

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Das Coronavirus zeigt bereits jetzt weltweite wirtschaftliche Auswirkungen. Am deutlichsten sehen wir diese, wenn Messen wie die globale Leitmesse für Mobilfunk MWC in Barcelona oder die Light&Building in Frankfurt abgesagt oder auf einen späteren Termin verschoben werden. Auch die Absagen namhafter Aussteller bei der embedded world in Nürnberg ist ein klares Signal, dass die europäische Wirtschaft vom Coronavirus betroffen sein wird.

Weitere Effekte sind die Auswirkung der chinesischen Kaufzurückhaltung und der Ausfall im Bereich der Produktion, die Umsatzprognosen negativ beeinflussen. Apple verabschiedete sich beispielsweise bereits von den Umsatzprognosen für das erste Quartal 2020 und Adidas kämpft wie viele andere namhafte Verbrauchermarken mit einem Rückgang des China-Geschäfts – 85 Prozent sind es hier im Vergleich zu den aktuellen Vorjahreswerten.

Abhängigkeit der Lieferketten von chinesischen Produkten

Doch wie sind die Auswirkungen auf die Produktion in Deutschland bzw. in den anderen mitteleuropäischen Ländern? Hier lässt sich die Situation mit den Worten „banges Warten“ treffend zusammenfassen. Für die Produktionen wird die Störung der Supply Chain durch die wochenlange Schließung von Zulieferbetrieben in China in einigen Wochen deutlich zu spüren sein. 

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Aktuell werden noch Warensendungen in deutschen Häfen gelöscht, die vor dem chinesischen Neujahrsfest Ende Januar verschifft wurden. Damit sind die Lagerbestände bei Distributoren aktuell gesichert. Doch das dürfte in absehbarer Zeit bereits anders aussehen. Manche Elektronik-Bauteile wie Widerstände werden fast ausschließlich in China gefertigt und neben der Schließung der Fertigungen haben Hersteller im Reich der Mitte zusätzlich mit der Materialversorgung zu kämpfen.

Dieser Punkt betrifft auch Zulieferer, die außerhalb von abgeriegelten Krisenregionen wie der Provinz Hubei liegen. Zwar könnten sie den Fertigungsbetrieb aufrechterhalten, es fehlt jedoch mittlerweile oft an ausreichend Rohmaterial. 

Wie können Unternehmen rechtzeitig vorsorgen?

Unsere Partner in China signalisieren uns klar, dass sie keine gesicherte Aussage treffen können, wie sich die Produktionssituation in absehbarer Zeit entwickeln wird. Nach einer abermaligen Änderung in der Zählweise bestätigter Erkrankungen ist offiziell zwar von weniger Neuansteckungen die Rede, doch wie vertrauenswürdig diese Zahlen wirklich sind, bleibt abzuwarten. Zudem ist mit dem sprunghaften Anstieg der Neuansteckungen in Italien über das Wochenende die Gefahr des Coronavirus nun auch in Europa deutlich greifbarer geworden.

Um nicht völlig schicksalsergeben der Dinge zu harren, die da kommen, empfehlen wir den Herstellern hierzulande, sich mit dem kritischen Warenbestand zur Aufrechterhaltung der Produktion vorsorglich einzudecken. Diese Aufstockung des eigenen Lagers sehen wir als vorübergehende Maßnahme. Es ist uns sehr bewusst, dass Unternehmen gewohnt sind, sich sehr kurzfristig mit Bauteilen einzudecken und das auch Teil der Preisberechnung ist – daran wird sich auch mittel- und langfristig nichts ändern. Jedoch sollte wegen fehlender 1-Cent-Komponenten, die in der Regel auch nicht viel Lagerbestand einnehmen, die Produktion nicht zum Erliegen kommen. Von Panikkäufen ist definitiv abzuraten, doch sollte man absehbaren und kritischen Bedarf rasch decken, denn die Situation kann sich schnell ändern. Mit einer rechtzeitigen Vorsorge können Unternehmen ihre Produktion sicherstellen, ohne Lieferverzögerungen und Preiserhöhungen in Kauf nehmen zu müssen.