Sandra Müller ist seit Herbst 2010 bei der Firma Beckhoff beschäftigt und hat 2016 die Messe-, Event- und Büroleitung übernommen. Seit Juli 2020 ist sie im Mutterschutz/Karenz.

Kommentar

Besser in live: Warum sich digitale Formate nicht durchsetzen werden

Vor einigen Jahren waren Experten noch der Meinung, dass physische Veranstaltungen von virtuellen Fachmessen im digitalen Raum abgelöst werden würden. Aber dann kam Corona und mit dem Virus immer mehr die Gewissheit, dass man Präsenz vor Ort wohl doch nicht so einfach ersetzen kann. Eine, die das schon vorher wusste, ist Sandra Müller - sie ist bei Beckhoff Österreich für die Messe-, Event- und Büroleitung zuständig.

Blog Virtuelle Messe Beckhoff

Waren vor 4 Jahren, bei einer Befragung im Zuge meiner Masterarbeit „Messewirtschaft im Wandel der Zeit“, noch einige der befragten Experten der Meinung, dass digitale Messen in Zukunft die Präsenzmessen ablösen werden, so hat uns Corona wohl eines Besseren belehrt. Die zaghaften Versuche der Messebetreiber ihr Messeformat zu digitalisieren, sind bislang alle kläglich gescheitert. Das kann zum einen auf fehlende Zeit und Geld zurückzuführen sein, oder aber – was wahrscheinlicher ist – dass die Erwartungen der Besucher an eine Messe nicht so einfach digital im Internet abzubilden sind.

Betrachten wir diesbezüglich das Ölgemälde »A Village fair« von dem belgischen Maler Pieter Brueghel dem Jüngeren aus dem 17. Jahrhundert. 

Auf dem Bild sind die wesentlichen Elemente einer Messe dargestellt. Händler verkaufen ihre Waren, sie kochen, arbeiten und produzieren Produkte. Leute sitzen zusammen an einem Tisch, kommunizieren und verhandeln. Andere verfolgen das Treiben auf dem Podium. Es sind Pferdewagen auf dem Bild abgebildet, welche Waren und Menschen transportieren. 

White Paper zum Thema

Einen Markt auszurichten war im Mittelalter ein wahres Privileg für die Verwaltung. Es strömten viele Menschen aus allen Teilen des Landes in die Marktgemeinde um hier Produkte zu kaufen oder zu verkaufen. Dadurch entstand erhebliche Frequenz im Dorf. Die Verwaltung, aber auch Dorfbewohner, konnten zusätzliches Geld erwirtschaften. So profitieren, damals wie heute, nicht nur die Messeveranstalter, sondern auch die Hotels, Caterings, Transportunternehmen und viele andere mehr.

Wird dieser Dorfmarkt nun als Messe betrachtet und objektiv versucht, den Unterschied zu einem Marktplatz im Internet zu erkennen, dann liegt es auf der Hand, dass Austausch und Kontakt auf einer Messe viel lebendiger, direkter und unmittelbarer sind. Gelegentlich wird miteinander gestritten und Probleme werden lautstark diskutiert, aber all diese zwischenmenschlichen Verbindungen bedeuten Emotion, Kommunikation und Interaktion, welche real viel besser vermittelt werden können. Natürlich können Emotionen und Erlebnisse auch im Internet geschaffen werden, jedoch ist das in der Automatisierungsbranche nur sehr schwer und bedingt umsetzbar, da es gänzlich unmöglich ist, die Produkte im Internet anzugreifen und somit die Haptik der Produkte zu vermitteln. Virtuelle Messen werden die realen Veranstaltungen nicht ersetzen können. Die Messe ist ein Ort der sinnlichen und emotionalen Wahrnehmung, sie kann die Besucher, Mitarbeiter und die gesamte Branche motivieren und dies wird auch die aktuelle Pandemie nicht ändern können.

Die realen Messen sind in der Lage, den Kunden als Person und als Individuum wahrzunehmen und dabei authentisch, ehrlich und persönlich zu bleiben. Das Internet ist und bleibt lediglich ein Medium für Information, welche aber die zwischenmenschliche Kommunikation nicht ersetzen kann.

So können wir immer tiefer in die digitale Welt eintauchen, was dabei jedoch irgendwann verloren geht, ist der Kontakt zur realen Welt und vor allem der Kontakt zu den Menschen. So werden, aus meiner Sicht, zwar die digitalen Instrumente immer weiter voranschreiten und in unseren Berufsalltag eintauchen, aber die Messe wird in der Zeit nach Corona wieder zum wichtigsten Instrument im direkten Dialog mit dem Kunden werden.