Fanuc FIELD system

App-Store für IIoT

Fanuc entwickelte eine offene IIoT-Plattform zur Vernetzung der gesamten Produktion und stellt sie Drittanbietern zur Verfügung. Manche nutzen das schon: Diese Woche wird die fertige Lösung in Europa vorgestellt.

Ende September gibt der japanische Roboter- und Automatisierungsspezialist Fanuc den Startschuss für das Europa-Debüt seiner Industrial IoT-Plattform "FIELD system". Das Unternehmen wird noch in diesem Jahr mit dem Vertrieb dieses Systems auf dem europäischen Markt beginnen. FIELD steht für „Fanuc Intelligent Edge Link and Drive“. Das System kann Produktionsmaschinen unterschiedlicher Generationen und Hersteller in einer Fabrik verbinden und ermöglicht so eine umfassende Datenanalyse entlang der gesamten Prozesskette: Ein entscheidender Schritt in Richtung Smart Factory.

Das System, das in Japan bereits eingeführt und in Betrieb genommen wurde, unterscheidet sich in einigen wesentlichen Punkten von anderen IIoT-Lösungen: FIELD system sammelt und analysiert Maschinendaten vor Ort (edge heavy). Die Daten werden direkt in der Fabrik verarbeitet, wodurch der Produktionsprozess beschleunigt und effizienter wird. Im Gegensatz zu anderen IIoT-Plattformen lässt das FIELD system den Nutzern die Wahl, ob sie ihre Produktionsdaten in der Fabrik behalten oder in eine externe Cloud hochladen und speichern möchten. Durch die Konzentration auf lokale Arbeit ermöglicht es eine schnelle Reaktion im laufenden Produktionsprozess. Wenn Nutzer jedoch Daten für zukünftige Analysen speichern oder eine Datenanalyse über verschiedene Produktionsstandorte hinweg durchführen möchten, können sie dies mittels einer Cloud-Lösung tun. 

Offene Plattform mit App-Store

Eine weitere Besonderheit ist die Offenheit der Plattform. Während Maschinen mit Standardprotokoll einfach ans FIELD system angeschlossen werden können, lassen sich für alle anderen Maschinen entsprechende Konverter entwickeln. Das FIELD system ist somit in der Lage, Maschinen aller Hersteller und Generationen zu verbinden und einen Überblick über den gesamten Produktionsprozess zu geben. FIELD system-Apps werden nicht nur von Fanuc selbst, sondern auch von Drittanbietern wie Softwareentwicklern und Systemhäusern angeboten. Auch Endkunden können eigene Apps entwickeln. 

White Paper zum Thema

In Europa ist ab dem vierten Quartal dieses Jahres ein App Store fürs FIELD system verfügbar. Die Kunden können ihre gewünschten Softwarelösungen selbst auswählen und herunterladen. Zwei der Fanuc-eigenen Apps FIELD system PMA und FIELD system ZDT gehören zu den wichtigsten bestehenden Anwendungen fürs FIELD system. PMA steht für Production Monitoring and Analytics Software und wird zur Kontrolle und Visualisierung des Produktionsprozesses genutzt. Auf einem Monitor sehen Nutzer auf einen Blick, ob alle angeschlossenen Maschinen regulär laufen und welche Geräte, wie oft von einem Stillstand betroffen sind. FIELD system PMA erleichtert auch die Fehleranalyse anhand des Signalverlaufs. ZDT (Zero Down Time) ist ein Tool, das die vorausschauende und vorbeugende Instandhaltung unterstützt. FIELD system ZDT überwacht kontinuierlich den Zustand der Maschinen, analysiert Daten und identifiziert Trends – wie Drehmomentänderungen und Störmomente. Alle Ausfallzeiten, Fehlerursachen und die Fehlerhistorie werden visualisiert. Wenn Anomalien festgestellt werden, empfiehlt das Tool den Bedienern, vorbeugende Maßnahmen zu ergreifen. FIELD system ZDT konzentriert sich auf Roboter, CNC und Maschinen von Fanuc. Mit der App können nicht nur Roboterachsen, sondern auch Servoantriebe in der Peripherie, Antriebe von Servo-Schweißzangen oder Positioniertische überwacht werden. Auf der EMO können die Besucher die Betriebsdaten aller aktiven Roboter und Maschinen am Stand beobachten. 

Apps von Drittanbietern

Neben eigenen Softwareentwicklungen setzt Fanuc auf intelligente Drittanbieter-Applikationen. Das FIELD system ist als offene Plattform konzipiert. In Japan beispielsweise arbeitet Fanuc zur Optimierung und Weiterentwicklung des FIELD systems schon mit über 500 Partnerunternehmen zusammen, darunter zahlreiche Softwareentwickler. In Europa wird die Zahl der Partnerunternehmen ebenfalls sukzessive ausgebaut. Bereits im April dieses Jahres hatte Fanuc auf der Hannover Messe die erste FIELD system-Anwendung eines Drittanbieters vorgestellt. Die App der Firma Open Data erfasst in Echtzeit die OEE (Overall Efficiency of Equipment) des gesamten Produktionssystems und visualisiert die Daten auf einem Dashboard. Auf der EMO in Hannover (18.-21. September) werden neben den eigenen Softwarelösungen mehrere Drittanbieter-Apps gezeigt. 

igus smart platics

Eine davon stammt von igus: Die smart plastics App überwacht den Zustand von Energieketten und Leitungen, zukünftig wird auch der Zustand von Rundtisch-, Linear- und Gleitlagern mit der App überwachbar sein. Basis sind die igus Sensoren isense, die den Zustand der Komponenten erfassen. Sie messen unter anderem im laufenden Betrieb den Verschleiß und geben Alarm, sobald eine Reparatur oder ein Austausch erforderlich ist. Das Kommunikationsmodul icom.plus stellt die igus Daten über einen integrierten OPC-UA Server bereit. Diese werden über den Fanuc Converter in die Plattform übernommen. Die igus smart plastics App sagt dem Instandhalter, in wie vielen Tagen er die nächste Wartung durchführen sollte. Die Apps des FIELD systems, so auch die igus smart plastics App, kann der Anwender sich über den FIELD system App Store herunterladen.

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