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20 Jahre AUTlook: Irrtümer fürs Archiv

Welche Technologien die Automatisierungstechnik in den kommenden Jahren prägen werden - und welche nicht.

Der Feind des Politikers ist das Archiv: Das sagt man, wenn ein Journalist alte Aussagen ausgräbt und sie dem unter die Nase reibt, der damals falsch gelegen. Wobei nicht der Irrtum das Problem ist: Vorhersagen sind nun mal schwierig, vor allem, wenn es um die Zukunft geht. Problematisch ist es, wenn Leute nicht dazu stehen, daneben getippt zu haben.

Anlässlich der aktuellen Jubiläums-Ausgabe zum 20-jährigen Bestehen von AUTlook habe ich mir die Mühe gemacht, ein paar Irrtümer vorzubereiten. Und ich verspreche, ich werde dazu stehen. Für diese Ausgabe haben wir einen bunten Strauß an Informationen zum Geburtstag zusammengestellt: Zum einen lassen wir die aktuelle Generation der Branchenführungskräfte erzählen, wie sie zur Automatisierungstechnik gekommen sind. Zum anderen zeigen wir die nächste Generation der Automatisierer: Was treibt die engagierten MaturantInnen von heute, die TeilnehmerInnen des HTL-Wettbewerbs für Automatisierungstechnik AUTstanding an, sich in diesem Metier zu engagieren.

Und drittens: Welche Technologien, die es vor 20 Jahren noch nicht gab, werden die kommenden Jahre der Automatisierung prägen? Die Bandbreite ist groß - und als Diskussionsanstoß nehme ich mir die Freiheit, ein paar willkürliche Prognosen zu den Technologien der Zukunft in den Raum zu stellen:

White Paper zum Thema

  • Ohne IIoT wird gar nichts gehen. In der Fabrikautomation wird sich dadurch aber am wenigsten ändern: Auch in 20 Jahren werden gleich wenige Menschen wie heute in den Produktionshallen arbeiten. Aber bei den Prozessen dahinter wird kein Stein auf dem anderen bleiben: Back Office, Vertrieb, Rechnungswesen, IT – wo heute Sachbearbeiter sitzen, werden dann Server stehen, die direkt mit den Produktionsmaschinen vernetzt sind.
  • Der Maschinenbau wird sich massiv verändern. Statt großer, starrer Anlagen werden kleine, modulare Einheiten gefragt sein. Ein Kommunikationsstandard wie OPC UA over TSN wird die Durchsetzung dieses Prinzips erleichtern, oder gar erst ermöglichen. Die Blockchain wird sich hingegen nicht durchsetzen. Zu umständlich ist die Genese, zu hoch ist der Energieverbrauch. Warum kompliziert, wenns einfach auch geht?
  • Cobots werden nicht mehr Cobots heißen, sondern nur mehr Roboter: Weil die Zeit der großen, starren Roboter vorbei sein wird. Kleinere, stärkere und flexiblere Roboter, die sich dank Künstlicher Intelligenz selber kalibrieren, werden die Hallen dominieren und den Automatisierungsgrad auch bei KMUs erhöhen.

So, ich werde mir diese Seite laminieren und in einem Bene-Ordner abheften. Damit ich dann weiß, wo ich falsch gelegen bin. Ich hoffe, Sie haben beim Lesen so viel Spaß wie ich beim Vorbereiten dieses Jubiläumsheftes. Übrigens, Sie dürfen uns freilich zum Geburtstag gratulieren, wir freuen uns – und gerne auch Ihren Senf dazugeben. Ich werds ausdrucken, ebenfalls laminieren und dazuhängen.

In ein paar Jahren vergleichen wir, wer mehr Recht hatte!

Email an: klaus.paukovits@industriemedien.at